B
A N J A L U K A
RÜCKKEHR
IN EIN APARTHEIDSYSTEM
Gesellschaft
für bedrohte Völker
Sektion
Bosnien und Herzegowina
S
a r a j e v o , Mai 2001
Gesellschaft
für bedrohte Völker, Trampina 4 / IV, 71000 Sarajevo
Tel.:
00387 33 213 707, Tel/Fax: 00387 33 213 709
e-mail:
gfbv_sa@bih.net.ba; homepage: www.gfbv-sa.com.ba
Herausgeber: Gesellschaft für bedrohte Völker –
Bosnien und Herzegowina
Verantwortlich: Prof. Fadila Memisevic
Redaktion: Prof. Fadila Memisevic – Leiterin der
GfbV – Bosnien und Herzegowina, Belma Zulcic, Seniorassistent
Übersetzung auf Deutsch: Belma Zulcic
Titelbild: Zerstörte Moschee in Banja Luka,
Siedlung Vrbanja
Druck: Eigendruck GfbV – Bosnien und Herzegowina
I
N H A L T
Banja Luka – Rückkehr in ein Apartheidsystem
………………………. 4
Runder Tisch: „Rückkehr in Würde“
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Beispiele – Rückkehrer in die Siedlung Vrbanja.....................................
10
Beispiele – Rückkehrer in die Siedlung Vrbanja
.................................... 14
Banja
Luka
Rückkehr
in ein Apartheidsystem
Einleitung
Fadila
Memisevic, Direktorin der Gesellschaft für bedrohte Völker – Bosnien und
Herzegowina
Banja Luka
hatte vor dem Krieg 195.139 Einwohner, davon 55 % Serben, 15 % Bosniaken, 1%
Kroaten und 16 % Jugoslawen.
Während des
Krieges oder präziser gesagt 1992 und 1993 wurden beinahe alle Bosniaken und
Kroaten aus Banja Luka vertrieben. Auch fünf Jahre nach dem Unterzeichnen des
Friedensabkommens in Dayton können die vertriebenen ehemaligen Einwohner von
Banja Luka, Bosniaken und Kroaten, nicht in ihre Häuser zurückkehren. Während
des Krieges sind in Banja Luka 228 Familien geblieben, die jedoch ihre Häuser
und Wohnungen verlassen und sich in Schuppen, Kellern oder unter Brücken
ansiedeln mussten. Diese Menschen nennt man „Flotter“ - Flüchtlinge
in der eigenen Stadt. 1999 wurden die Sarajevo - und Banjaluka – Deklaration
unterzeichnet. Diese besagten, dass 20.000 Serben nach Sarajevo und genauso
viele Bosniaken und Kroaten nach Banja Luka zurückkehren sollen. Im Januar 2000
wurde aus dem Büro des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina,
Herrn Wolfgang Petritsch, vermeldet, dass die Sarajevo – Deklaration mit der Rückkehr
von 19.458 Serben und Kroaten in ihre Vorkriegswohnorte erfolgreich umgesetzt
wurde, während man mit Bedauern konstatieren musste, dass die Banja Luka –
Deklaration nicht umgesetzt wird. Bis heute sind nach Banja Luka 1.736 Bosniaken
und Kroaten zurückgekehrt, was in Hinsicht auf die hohe Zahl der eingereichten
Anträge zur Rückerstattung des Eigentums (16.024 Anträge) mehr als
unausreichend ist. Die Banja Luka – Gemeinderegierung arbeitet nur sehr
langsam an der Bearbeitung der Anträge der Bürger. Allein die Tatsache, dass
die Anträge nur mittwochs – also einmal in der Woche – beim Flüchtlingsministerium
eingereicht werden können, sagt schon viel. Vertriebene, die in der ganzen Welt
verstreut leben, müssen nach Banja Luka kommen und manchmal einen Monat lang
dort bleiben, nur um an die Reihe zu kommen und ihren Antrag zur Rückerstattung
des Eigentums einzureichen. Reihen vor dem Ministerium sind eine alltägliche
Erscheinung, Frauen, Greise, warten die ganze Nacht lang, um dann, wenn sie an
der Reihe sind, zu hören, dass der Schalter geschlossen ist, weil die Bürokraten
Feierabend machen. Am Ende ihrer Geduld haben 10.000 Leute aus Banja Luka
entschieden, eine Zeltsiedlung in Banja Luka zu errichten, sie wurden daran
jedoch vom damaligen Präsidenten der Regierung der Republika Srpska Milorad
Dodik gehindert.
Die
Gesellschaft für bedrohte Völker – Bosnien und Herzegowina wollte vor Ort
ermitteln, wie die Rückkehrer leben, ob dies eine Rückkehr in Würde oder Rückkehr
in eine Apartheid ist. Deshalb haben wir auch einen Runden Tisch zum Thema „Rückkehr
in Würde“ organisiert. Für die Bearbeitung dieses Themas haben wir einige
Vorschläge gegeben:
1.
Rückkehr als Vorbedingung für die Entwicklung demokratischer Prozesse
und die Wiederherstellung einer multiethnischen Gesellschaft
2.
Hilfe der lokalen Regierungsorgane für Rückkehrer
3.
Umsetzung der Anträge zur Rückerstattung des Eigentums
4.
Verhältnis der Vertreter der Internationalen Gemeinschaft gegenüber den
Rückkehrern
5.
Zusammenarbeit der Rückkehrerorganisationen mit lokalen Organisationen
6.
Probleme, mit denen die Rückkehrer konfrontiert werden.
An diesen
Runden Tisch wurden Regierungsvertreter der Republika Srpska eingeladen – der
Minister für Flüchtlinge und Menschenrechte, Vertreter der Internationalen
Gemeinschaft, UNHCR, OHR, Vertreter der Vertriebenenvereine, der Banjaluka -
Mufti ef. Edhem Camdzic, Vertreter der lokalen NGO wie auch Medienvertreter.
Einen Tag
vor dem Runden Tisch wollten wir diejenigen besuchen, die schon zurückgekehrt
sind, um so direkt zu erfahren, wie sie leben und mit welchen Problemen sie
konfrontiert werden. Zuerst haben wir die Siedlung Seher besucht, in die ein
Dutzend älterer Menschen zurückgekehrt sind. Auf ein paar Häusern sahen wir
aufgeklebte Todesmeldungen. Sofort nach der Ankunft in ihre zerstörten Häuser
sind einige Greise gestorben. Die zurückgebliebenen Greisinnen leben
meist von humanitärer Hilfe. Sie haben keine Sozial- und Krankenversicherung.
Wenn sie zum Arzt müssen, bezahlen sie die Untersuchung von 20 – 50 DM. Die
Renten bekommen sie nicht in Banja Luka sondern müssen eine Busfahrkarte
bezahlen und nach Sarajevo kommen. Die Busfahrkarte kostet 50 DM und ihre Rente
beträgt 120 – 200 DM.
Wir haben
auch die Siedlung Vrbanja besucht, in die 86 bosniakische Familien zurückgekehrt
sind. In der gleichen Siedlung leben serbische Flüchtlinge aus Glamoc, Grahovo,
Drvar. Wir sprachen mit Smail Prljo, der uns sein zwei Etagen hohen Haus zeigte,
für welches er schon eine Erklärung zur Rückerstattung hat, jedoch noch immer
nicht einziehen kann, da der momentane Bewohner des Hauses ein ehemaliger Soldat
der Armee der Republika Srpska ist, der ihn angreift und beleidigt und ihm sogar
verbietet, sich dem Besitz überhaupt zu nähern. Er hat ihm sogar in
Anwesenheit der Polizei gesagt: “Du wirst diesen Hof nur dann betreten, wenn
du zum Serben wirst“. Smail hat sich bei der befugten Stelle in der lokalen
Gemeinde beschwert, aber auch dort erhielt er die Antwort: “Wenn es dir hier
nicht gefällt, dann zieh um.”
Smail lebt
auch weiterhin als Untermieter, er zahlt Miete und kann sein Haus, in dem jemand
wohnt, der ihn sogar beleidigt, nur anschauen. Wir haben auch die Wohnung der
Familie Cavra besucht. Mubera Cavra hat in Deutschland gelebt und ist vor zwei
Jahren nach Bosnien zurückgekehrt. Zuerst hat sie als Flüchtling in Kljuc
gelebt und Ende letzten Jahres ist sie nach Banja Luka zurückgekehrt. Auch die
Familie Cavra hat ein grosses Haus, in dem nun ein Serbe aus Glamoc lebt. Er hat
sein Haus in Glamoc verkauft und möchte nun natürlich nicht mehr dorthin zurückkehren.
Diese Familie lebt mit zwei kleinen Kindern in einem alten, baufälligen Haus
und zahlt ebenfalls Miete. In der Nähe dieses Hauses befindet sich ein Cafe,
dessen Besitzer sogar keine Arbeitsgenehmigung hat. Dafür hat er aber die
Erlaubnis, zusammen mit seinen Gästen diese Menschen permanent zu belästigen,
ihnen Schimpfwörter wie „Türken raus“, „Dies ist Serbien“ an den Kopf
zu werfen. Am schlimmsten ist es, wenn es dunkel wird. Dann fangen sie an,
Steine zu werfen, Türen und Fenster einzuschlagen. Deshalb verdeckt Frau Mubera
ihre Fenster mit dem Einbruch der Dunkelheit mit Decken, um ihre Kinder vor den
Steinen zu schützen. Schon mehrmals wurde diese Familie von den jetzigen
Nachbarn mit gezückten Messern bedroht. Die lokale Polizei kommt auf Anruf
dieser Menschen mit zwei Stunden Verspätung. IPTF – Vertreter reagieren
ebenso wenig und rechtfertigen es damit, dass dies Aufgabe der lokalen Polizei
ist.
Wir haben
auch mit einer Greisin gesprochen, die in der Nachbarschaft lebt und deren
Ehemann querschnittsgelähmt ist. Diesen kranken, querschnittsgelähmten Mann
zwingen diese extremistischen Serben dazu, aufzustehen und sich aufzurichten.
Die Greisin darf keine traditionelle moslemische Kleidung tragen, da sie sie
dann mit Steinen bewerfen und zu ihr sagen „Raus hier,`balinko`“.
Diese alte Frau muss über
der Pumphose einen langen Rock tragen.
Die Moschee
in dieser Siedlung wurde schon 1993 zerstört. Das zerstörte Minarett, der verwüstete
moslemische Friedhof steht heute noch so als Denkmal des Bösen, der Angst und
des Hasses.
Niemand von
den Menschen, mit denen wir gesprochen haben, arbeitet. Sie haben weder eine
Sozial- noch eine Krankenversicherung. Ihre persönliche Sicherheit und ihr
Recht auf Leben sind bedroht. Niemand kümmert sich um diese Menschen. Bisher
wurden sie von niemandem besucht. Sie sind sich selbst überlassen und der
Diskriminierung, Schikanen und der Apartheid nach dem afrikanischen Beispiel
schutzlos ausgeliefert.
Auch der
Banja Luka - Mufti ef. Edhem
Camdzic sprach über die Diskriminierung und die schwere Situation der
Bosniaken. Er betonte, dass eines der Grundmenschenrechte das Recht auf das
freie Ausüben der Religion ist. In der Republika Srpska wird gegen dieses Recht
verstossen. Die Tatsache, dass alle Moscheen zerstört wurden, unterstützt
diese Behauptung zusätzlich. Allein in Banja Luka wurden 16 Moscheen zerstört,
unter ihnen auch die älteste Ferhad-Pascha Moschee aus dem Jahre 1579.
Beleidigungen und Provokationen während der Gottesdienste sind eine alltägliche
Erscheinung. Er wurde während des Gottesdienstes an Bajram – Opferfest mit
Steinen beworfen. Auch sein Auto wurde zerstört. Er sagte auch, dass es für
Moslems verboten ist, ihre Toten in moslemischen Friedhöfen, die Eigentum der
Islamischen Gemeinde sind, zu bestatten. Auf dem Gebiet von Banja Luka gibt es
30 solcher Friedhöfe, die von der Islamischen Gemeinde verwaltet werden. Durch
die Entscheidung der Gemeinderegierung ist es verboten, diese Friedhöfe weiter
zu nutzen, so dass Moslems nun ihre Kinder in die Gräber ihrer Grossväter
setzen müssen, was ein neues Verbrechen an den Toten darstellt.
Runder Tisch zum Thema „Rückkehr in Würde“ am 06.04.2001 in Banja Luka
„Rückkehr als
Vorbedingung für die Entwicklung demokratischer Prozesse und die
Wiederherstellung einer multiethnischen Gesellschaft“
Der bedeutendste
und zentrale Teil des Dayton – Friedensabkommens – der Annex VII, nach dem
es allen Flüchtlingen und umgesiedelten Personen gestattet wird, in ihren
Vorkriegswohnort zurückzukehren, ist auch fünf Jahre nach der Unterzeichnung
des Abkommens nicht umgesetzt worden.
Von den 2.200.000
vertriebenen und umgesiedelten Personen aus Bosnien und Herzegowina fanden
1.200.000 Personen Zuflucht in 100 Ländern der Welt, ca. eine Million blieb in
Bosnien und Herzegowina und sie leben als Flüchtlinge im eigenen Land.
Nach Angaben der
UNHCR, IOM, OHR, des Ministeriums für Flüchtlinge und soziale Fragen,
Gemeinderegierungen, Vertriebenenvereine und NGO’s sind bis heute 728.534
Vertriebene zurückgekehrt, davon 476.420 Bosniaken, 101.299 Kroaten, 145.651
Serben und 5.164 andere.
Nach Angaben des Flüchtlingsverbandes
Bosnien-Herzegowina sind in beiden Entitäten noch immer ca. 870.000 Personen
Binnenflüchtlinge, davon in der Föderation von Bosnien und Herzegowina 533.707
Personen (oder 60 %) und in der Republika Srpska ca. 340.000 (oder 40 %)
Personen, darunter auch viele Serben aus der Kroatischen Krajina.
Heute leben
ausserhalb von Bosnien mehr als 760.000 Vertriebene. Die Mehrheit von ihnen
stammt aus dem Gebiet der Republika Srpska, wo sich der Rückkehrprozess nur
sehr langsam abwickelt.
Auf dem Gebiet der
Föderation wie auch auf dem Gebiet der Republika Srpska existieren noch immer
Flüchtlings- und Kollektivzentren, dessen Anzahl zwar zurückgeht, sie jedoch
noch immer existieren.
Obwohl die Jahre
1998, 1999 und 2000 zu den Jahren der Rückkehr ausgerufen wurden, kam es zu
keiner massiveren Rückkehr. Es gibt viele Gründe dafür: vom Mangel des
politischen Willens der lokalen Regierung bis zur Nachgiebigkeit der Vertreter
der Internationalen Gemeinschaft dieser Regierung gegenüber.
Nach Kosovo wurden
innerhalb von zwei Monaten 1.500.000 vertriebene Kosovo-Albaner zurückgeführt,
da die KFOR das Mandat hat, Rückkehrer zu beschützen, während die SFOR in
Bosnien und Herzegowina kein solches Mandat hat.
Ich muss auch
darauf hinweisen, dass der Begriff “Minderheitenrückkehr” inakzeptabel ist.
Vor Beginn der ethnischen Säuberung hatten bestimmte ethnische Gemeinschaften
die Mehrheit in bestimmten Gebieten, die dann nach der Gewaltanwendung zu
monoethnischen Regionen wurden (z.B. Serben in Drvar, Bosansko Grahovo,
Bosniaken im Drina-Tal, Kroaten in Posavina-Teilen).
Als
Menschenrechtsorganisation internationaler Provenienz setzen wir uns für eine würdevolle
Rückkehr ein, nicht in Zelte, Schuppen oder eigene Keller sondern in die
eigenen Heime.
Täglich werden wir
mit der Rückkehrer-Problematik konfrontiert: vom Rückerhalt des Eigentums bis
zum Wiedereinzug in die eigenen Häuser und befinden, dass dies Schlüsselprobleme
dieses Landes sind.
Die Rückkehr von
20.000 ehemaligen serbischen Bewohnern brachte Sarajevo wieder das Image einer
multikulturellen, offenen und toleranten Stadt, dessen Beispiel auch andere
befolgen müssen. Die Sarajevo-Deklaration ist leider nur teilweise umgesetzt
worden. Sie ist als zweiseitige Rückkehr gedacht, bzw. präziser gesagt,
gleichzeitig sollten auch 20.000 Bosniaken und Kroaten nach Banja Luka zurückkehren,
was jedoch nicht geschehen ist.
Wir sind der
Meinung, dass Banja Luka den anderen Städten in der Republika Srpska ein
Beispiel für die Wiederherstellung des Multikulturellen und der Offenheit für
all jene, die in diese Stadt zurückkehren möchten, sein sollte.
Wir sind sicher,
dass dies nicht verwirklicht wird, solange in den Flüchtlingsministerien
diejenigen sitzen, die fremdes Eigentum besetzen und deren Interesse es ist,
dass sich an der Situation nichts ändert. Als Beispiel des Mangels politischen
Willens für die Beschleunigung der Rückkehr und besonders der Rückerstattung
des Eigentums führen wir an, dass Anträge für die Rückerstattung des
Eigentums nur einmal wöchentlich im Laufe von zwei Stunden eingereicht werden können.
Mit solch einer
„Dynamik“ beim Bearbeiten der Anträge der Rückerstattung des Eigentums ist
es zu erwarten, dass diejenigen, die in ihre Häuser zurückkehren möchten,
diese erst in 50 Jahren wieder zugesprochen bekommen, was für uns
diskriminierend ist und eine schwere Verletzung der Menschenrechte darstellt.
Der Wiederaufbau
der multiethnischen Gesellschaft ist nicht möglich ohne das Vorstellen und das
Schützen der Menschenrechte in Rahmen derer sich neben dem Recht auf Leben auch
das Recht auf ein Heim als eines der Grundmenschenrechte befindet.
Stellungnahmen
der Teilnehmer des Runden Tisches zum Thema „Rückkehr in Würde“
“Bis jetzt wurden
16.024 Anträge zur Rückerstattung des Eigentums eingereicht. Davon wurden bei
854 Anträgen positiv entschieden und das Eigentum zurückerstattet. Von den
9.222 vertriebenen Bürgern aus Banja Luka, die einen Antrag zur Rückerstattung
der Wohnung eingereicht haben, erhielten nur
882 eine positive Entscheidung und die Rückerstattung der Wohnung.
Im Jahre 2001 sind
130 Zwangsräumungen monatlich und 1.560 jährlich vorgesehen. Mit solch einem
Tempo wird man 10 Jahre benötigen, um den Rückkehrern ihren Eigentum oder ihre Wohnungen zurückzuerstatten.
Das grösste
Problem stellen diejenigen Bosniaken und Kroaten dar, die während der gesamten
Kriegszeit über in Banja Luka geblieben sind, wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit
jedoch aus ihren Häusern und Wohnungen ausziehen und eine andere Unterkunft finden mussten. Es gibt ca. 220
von ihnen und sie sind noch immer Flüchtlinge in der eigenen Stadt.
Im Ministerium für
Flüchtlinge sind serbische Flüchtlinge beschäftigt, die nicht daran
interessiert sind, dass die Rückkehr beschleunigt wird, da sie in Banja Luka
bleiben möchten. Der Verein “Dableiben“ ist für die meisten Obstruktionen
der Rückkehr verantwortlich. Man teilt ihnen Grundstücke zu. Die persönliche
Sicherheit der Rückkehrer ist bedroht. Es gab bisher vier Morde. Beim letzten
wurde eine ältere Frau getötet und dann verbrannt. Nur ein Mord wurde aufgeklärt.
Es werden verschiedene Methoden der Abschreckung angewendet, um die Vertriebenen
von der Rückkehr abzubringen.”
Edhem Camdzic,
der Banja Luka – Mufti
“Für mich wie
auch für die gesamte Islamische Glaubensgemeinschaft ist die Grundsteinlegung für
den Wiederaufbau der 1993 zerstörten Ferhad-Pascha Moschee, die wegen ihrer
historischen Bedeutung als Denkmal unter UNESCO-Schutz stand, von
ausserordentlicher Bedeutung für den Frieden und die Gerechtigkeit in Bosnien
und Herzegowina. Ich appelliere an alle Anwesenden, vor allem an die Vertreter
der Regierung der Republika Srpska, die Vertreter der internationalen
Organisationen, Menschenrechtler, Medien- und Kulturvertreter, den Wiederaufbau
der Ferhat-Pascha Moschee zu unterstützen. Ich bin der Meinung, dass mit diesem
Akt das verlorene Vertrauen und das Zusammenleben auch in das Gebiet von Banja
Luka wieder einkehren werden. Ich bin überzeugt, dass uns unsere serbischen
Nachbarn, die ich für gute Menschen halte, dabei unterstützen werden. Ich rufe
Euch auf, am 7.Mai dieses Jahres alle der Zeremonie des Baubeginns einer der ältesten
Moscheen in Bosnien-Herzegowina – Ferhadija beizuwohnen.”
Edhem Lelic,
Vertreter von “Merhamet” – Banja Luka
„Die Rückkehrer
nach Banja Luka haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Ihr grösstes Problem
ist, dass sie weder eine Sozial- noch eine Krankenversicherung haben.
“Merhamet” versucht ihnen zu helfen und bietet ihnen kostenlose ärztliche
Untersuchungen wie auch verschiedene Medikamente an. Auch “Merhamet” hat
jedoch nicht genug Mittel, um Hilfe für alle Rückkehrer sicherzustellen.
Ein weiteres
Problem für die Rückkehrer stellt die Prozedur beim Beantragen von persönlichen
Dokumenten dar, auf welche sie mehrere Monate lang warten müssen. Alle, die
sich dafür entscheiden, nach Banja Luka zurückzukehren, erfahren täglich
Diskriminierung und leben in einem einzigartigem Apartheidsystem.”
Lana
Jajcevic, “Vereinigte Frauen” - Banja Luka
“Es gibt keine
Zusammenarbeit unter den lokalen Organisationen. Unsere Organisation befasst
sich mit juristischen Ratschlägen und Hilfsmöglichkeiten für Frauen aller
ethnischen Gruppen und Religionsgemeinschaften. In Zusammenarbeit mit
“Merhamet” und dem deutschen “Caritas” haben wir versucht, Druck auf die
lokale Regierung auszuüben, um die Rückkehr zu beschleunigen. Wir haben schon
vergangenes Jahr ein Brief an den Hohen Repräsentanten Wolfgang Petritsch
gerichtet, haben aber bisher keine Antwort bekommen. Das, was wir als
inakzeptabel ansehen, ist die Tatsache, dass das Ministerium für Flüchtlinge
nur einmal wöchentlich diejenigen empfängt, die die Rückerstattung ihres
Eigentums und ihrer Wohnungen fordern. Wir sind der Meinung, dass dies eine
Beleidigung für diese Leute darstellt, die nächtelang darauf warten müssen,
nur um an die Reihe zu kommen und ihren Antrag abzugeben. Danach müssen sie
wieder monatelang darauf warten, einen Entscheid bezüglich ihres Antrags zu
bekommen. Das gleiche Problem finden wir auch beim Erhalt von persönlichen
Dokumenten.“
Marija Markovic,
Rechtsanwältin bei „Caritas“
„Ich vertrete ca.
3.000 Klienten, die die Rückerstattung ihres Eigentums und ihrer Wohnungen
fordern. Ich muss jeweils auf den Mittwoch warten, wenn Anträge
entgegengenommen werden und wenn es unmöglich ist, etwas abzuschliessen. An
anderen Tagen, wenn ich dann nur per Telefon versuche, jemanden zu erreichen,
meldet sich niemand. In Banja Luka gibt es 35 Eigentumsgebäude von Caritas. In
einem davon lebt sogar der Bürgermeister von Bosanski Petrovac und niemand
zwingt ihn, die Wohnung zu räumen. Ich fordere eine öffentliche Stellungnahme
zur Rückerstattung des Eigentums, da es zweifache Wohnungsnutzer gibt, ein
einheitliches Medienprogramm, die persönliche Sicherheit, die Rückerstattung
des Eigentums und den Schutz dieses Eigentums.“
Borislav Bojanic,
Flüchtlingsminister – Banja Luka
“Ich stimme zu,
dass der Prozess der Zwangsräumungen beschleunigt werden muss. Im Ministerium
sollte auch die tägliche Arbeit mit Rückkehrern eingeführt und somit auch die
Zahl der Beschäftigten erhöht werden. Ich setze mich ein für die Umsetzung
des Gesetzes wie auch für die Gleichstellung vor dem Gesetz.”
Beispiel 1
„In der Strasse
Rade Radica Nr. 135 wohnen Bratic Jovo und seine Mutter. In diesem Haus befindet
sich auch ein Geschäftsraum, in dem sich der oben genannte Herr jede Nacht mit
seinen Freunden trifft. Tagsüber wird in diesem Raum um Geld gespielt und in
der Nacht kommt es oft dazu, dass diese Leute Rückkehrer beleidigen und sie als
„Türken“, „Balije“ bezeichnen. Daneben wird so oft geflucht, dass die
Leute, die in den Nachbarshäusern leben, kein normales Familienleben führen können.
Sie versammeln sich in diesem Raum und wir sind gezwungen, uns schon in den frühen
Abendstunden in unseren Häusern einzuschliessen, da wir dieses Problem auf eine
friedliche Art und Weise lösen möchten. Wir haben schon einige Male um Schutz
gebeten. Nur einmal sind die Polizisten auch gekommen und haben unsere schwere
Lebenssituation auch gesehen. Danach war die Antwort auf unsere Anrufe immer,
dass diese Menschen das Recht haben, sich bis 24.00 Uhr zu vergnügen und dass
die Beleidigungen, die wir erfahren, nichts Schlimmes sind. Sie nehmen keine Rücksicht
darauf, dass unsere Kinder dabei schwer traumatisiert werden und dass wir sie
zum Schlafen in andere Häuser, die wir für etwas sicherer halten, schicken müssen.
Während unserer Aufenthalte in fremden Ländern haben wir den Wunsch geäussert,
in unsere Stadt zurückzukehren. Wir waren der Meinung, dass wir mit unseren
Nachbarin friedlich und angenehm leben können, aber diese Ereignisse und das
unverantwortliche Verhalten der Polizisten bringen uns in die Situation, in der
wir 1992 und 1993 waren, als wir unter ähnlichen Umständen gezwungen waren,
unsere Stadt zu verlassen.
Wegen all dieser oben angeführten Dinge bin ich der Meinung, dass diese Kneipe geschlossen werden müsste, da sie erstmals ohne Erlaubnis eröffnet wurde und man mit der Schliessung viele Probleme würde lösen können. Mit der Verbesserung der Arbeit der Polizei wie auch deren Unterstützung der Rückkehrer, die ihnen ja durch das Gesetz zugesichert wird, würden sich auch diese Extremisten anders verhalten. Damit würde sich dann die Beziehung zwischen den Rückkehrern und den Flüchtlingen verbessern, natürlich nur dann, wenn diesen Extremisten erklärt wird, dass ihr Verhalten strafbar ist.
Der Herr, der eine Wohnerlaubnis für das Haus in der Strasse Rade Radica 135 hat, ist der Eigentümer eines Hauses in der Strasse Majora Gavrilovica, wo er auch wohnt.
Wegen all dieser Dinge bitten wir darum, dass dringend gesetzliche Massnahmen gegen diese Menschen vorgenommen werden, da diese schwere Situation schon drei Monate lang in diesem Gebiet andauert.
Am 05.01.2001 haben wir die PS 3 (Polizei) gerufen. Der Polizist, der gerade Dienst hatte, wollte sich nicht vorstellen (er hat gesagt, er wäre nicht verpflichtet, dies zu tun), und auf unsere Beschwerden, dass wir schon ab 19.00 Uhr Probleme im Hof haben, dass uns diese Männer verbal angreifen, obwohl wir sie weder beleidigt noch provoziert haben, antwortete er uns kurz, dass sie das Recht haben, bis 24.00 Uhr tun zu können, was sie möchten und dass dies nichts Schlimmes sei. Wir Rückkehrer sehen es jedoch trotzdem als grosses Problem an, wenn unseren Kindern gedroht wird, man würde sie abschlachten und wenn man unseren Besitz mit einem Messer in der Hand betretet und dabei verschiedene Drohungen ausspricht. Besonders unverantwortlich ist das Verhalten der Polizisten, die hierbei absolut nicht reagieren. Auf diesem gleichen Platz versammeln sich auch Polizisten in Uniform (ausserhalb der Arbeitszeit), so dass wir glauben, dass sie all dieses unterstützen.
Dies ist nicht das erste und vermutlich auch nicht das letzte Mal, dass dies passiert, so dass wir sie noch einmal bitten, dringend etwas wegen solchen Verhaltens zu unternehmen. Am 18.03.2001 haben Bratic Jovo, wohnhaft in der Strasse Rade Radica 135, Vrbanja und seine Freunde aus Kupres sich sehr gewalttätig gezeigt. Er fuhr mit seinem Auto bei einer hohen Geschwindigkeit durch den Hof und bremste sehr scharf. Er versuchte dabei, mit seinem Auto gegen die Tür des Hauses zu fahren, in dem der Rückkehrer Karat Dervis mit seiner Ehefrau lebt (Ich betone hierbei, dass diese Rückkehrer kranke Menschen sind). Als ihm dies nicht gelungen ist, hat er das Auto verlassen, wobei er stark fluchte. Danach schlug er die Tür und alle Fenster an den Türen ein.
Vor Zufriedenheit schreiend lief er in den ersten Stock, wo Cavka Nazif mit seiner Familie wohnt (er hat zwei minderjährige Kinder, wovon eines schwer herzkrank ist) und fluchte und beleidigte die Familie. Auch wegen dieses Falles bitten wir darum, dass dringend rigorose Massnahmen ergriffen werden. Wir bitten sie, findet entweder für uns eine andere Unterkunft oder verbietet es diesen Extremisten, das Gebiet von Vrbanja zu betreten. Herr Bratic Jovo sollte nach dem Gesetz schon vor langer Zeit seine Wohnung zwangsgeräumt haben, da die 90 Tage seit dem Erhalt des Entscheides über die Zwangsräumung schon abgelaufen sind und somit alle gesetzlichen Vorbedingungen dafür geschaffen sind, dass dieser Mann Vrbanja verlässt.
Bitte nehmen sie diese Probleme ernst, denn wir Rückkehrer sind uns selbst überlassen. Trotz unserer vielen Bitten möchten uns die Gesetzeshüter nicht in Schutz nehmen, was zu unangenehmen Situationen führen könnte, denn einmal wird einer der Rückkehrer beim Beschützen seiner Kinder (worauf wir natürlich Recht haben) darauf angewiesen sein, sich auch physisch zu verteidigen. Dies ist für niemanden von Vorteil und deshalb ist es unser einziger Wunsch, dass die hiesigen Polizisten wie auch die Rückkehrer endlich verstehen lernen, dass das Gesetz wie für sie so auch für die Rückkehrer gleichermassen gilt und dass sie wie auch die Rückkehrer Gesetze befolgen müssen.“
Beispiel 2
„Auf dem Gebiet des Stadtteils Vrbanja leben im Moment ca. 100 Rückkehrerfamilien und Familien, die während des Krieges nicht den Wohnsitz verändert haben. In den nächsten Monaten erwarten wir eine massivere Rückkehr der Familien, die schon Entscheide über die Rückerstattung des Eigentums erhalten haben und die, so hoffen wir, auch durchgesetzt werden. Aus diesen Gründen wenden wir uns auch an Sie und informieren Sie über unsere Probleme, die immer häufiger in diesen Gebieten anzutreffen sind, denn auch die heutigen Rückkehrer erfahren keinen adäquaten Schutz.
Der Lebensstandard der Bürger ist sehr niedrig, die Mehrheit der Bürger von Vrbanja hat kein Anrecht auf humanitäre Hilfe. Es ist uns ebenfalls verboten, unsere Felder zu bestellen, für die wir aber regelmässig Steuern zahlen müssen. In wenigen Fällen, wenn Felder dann trotzdem bestellt werden, wird das ganze Saatgut am nächsten Tag vom extremistischen Flüchtlingen zerstört. Rückkehrer und Einwohner von Banja Luka, von denen nur ein Rückkehrer beschäftigt ist, müssen regelmässig für Kommunaldienste zahlen, während die Flüchtlinge auf dem Gebiet von Vrbanja von diesen Abgaben befreit sind.
Im Namen der oben angeführten Tatsachen möchten wir sie bitten, uns zu antworten und uns an Personen oder Institutionen zu richten, die uns beim Schutz der Menschenrechte unterstützen werden. Um dies mit realen Tatsachen zu vervollständigen, führen wir folgende Beispiele von Menschenrechtsverletzungen an:
22.03.2001
Einwohner der lokalen Gemeinde Vrbanja
Chronologie
der Ereignisse während des Versuches die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau
der Ferhat-Pascha Moschee in Banja Luka am 07.05.2001
Die Flugblätter, mit denen Banja Luka in der Nach von Sonntag auf Montag übersät war und mit denen, wie es ein anonymer Autor formulierte, “alle Serben aufgerufen werden, die Grundsteinlegung für die Ferhadija – Moschee zu verhindern“, kündeten sehr offen an, was zehn Stunden später im Zentrum von Banja Luka auch wirklich geschehen sollte – mehrere Tausend gewalttätige Demonstranten verhinderten das Abhalten dieser monatelang angekündigten Zeremonie.
Die Ouvertüre für die Unruhen kam auch von den Tschetnik-Liedern, die aus beinahe allen umliegenden Cafes zu vernehmen waren. (Einige von ihnen blieben jedoch auch geschlossen, denn die Besitzer hatten wahrscheinlich diese Unruhen „gespürt“.) Die Zuschauer konnten in diesen Momenten auch einen Demonstranten sehen, der in Richtung der Gläubigen, versammelt um das Gebäude der Islamischen Gemeinschaft, einen gebratenen Schweinekopf, aufgespiesst auf einen improvisierten Pfahl, hoch in die Luft hob.
In diesen Momenten versuchen Hunderte von Polizisten, speziell für diesen Anlass engagiert, den Durchbruch der Demonstranten zu verhindern, die wiederum versuchen, den Polizeikordon durchzubrechen. Einer der wenigen, die es in diesen Momenten schaffen, zum Gebäude der Islamischen Gemeinschaft zu gelangen, ist der österreichische Botschafter Gerhard Jandl, der eingesehen hatte, dass er über den Haupteingang nicht in das Gebäude gelangen kann und so über die Wiese rannte, wo einst die Ferhadija-Moschee stand! Aber auf halbem Wege wird er jedoch von den Steinen und Eiern aus den Händen der erzürnten Demonstranten getroffen.
Nur einige Minuten später, als auch schon Jacques Klein das Gebäude der Islamischen Gemeinschaft betreten hat, sprengen die erzürnten Demonstranten, deren Zahl von Minute zu Minute grösser wird, den Polizeikordon. In diesen Momenten bricht ca. hundert der aggressivsten Demonstranten in den Hof des Gebäudes der Islamischen Gemeinschaft ein und es kommt zum Zusammenschlagen der Bosniaken, die sich noch dort eingefunden haben. Tausende von Zuschauern konnten nur stumm zuschauen, wie ein Schüler einen älteren Bosniaken bis zum Bewusstseinsverlust zusammenschlägt, während die Mehrheit der Gläubigen, die mit Bussen aus der Föderation von Bosnien- Herzegowina gekommen sind, im Gebäude der Islamischen Gemeinschaft verbarrikadiert bleibt. Im Gebäude bleiben zusammen mit den ca. 400 Gläubigen auch der Aussenminister von Bosnien-Herzegowina Zlatko Lagumdzija, der Botschafter Jandl und drei Minister aus der Regierung der Republika Srpska (Mitar Novakovic, Fuad Turalic i Dusan Antelj) in einer einzigartigen Geisel - Situation.
Als sich die Diplomaten und die Gläubigen versteckt haben, greifen die Demonstranten (deren Zahl mit jeder Minute wächst, so dass es in diesen Momenten mehrere Tausend von ihnen gab) die Gläubigen, die es nicht geschafft haben, ins Gebäude zu flüchten, an. Kurz danach hat schon ein 20jähriger die serbische Trikolore ans Fenster des Gebäudes der Islamischen Gemeinschaft gehängt. Auf der Strasse vor dem Gebäude enden einige der Teppiche, die vom Plateau, wo die Zeremonie stattfinden sollte, auf die Strasse gezogen wurden, in Flammen, was von den Tausenden Demonstranten mit einem begeistertem Applaus begleitet wird.
Gegen 14 Uhr kommt auch Mladen Ivanic, Premier der Republika Srpska im Gebäude der Islamischen Gemeinschaft an. Bald schon kommt die dramatische Warnung von Ivanic, „er würde das Gebäude nicht verlassen, bis nicht auch der letzte Mann evakuiert ist”. In der Zwischenzeit versuchen auch die ersten Männer der SDS Dragan Kalinic, Mirko Sarovic und Dragan Cavic, Präsident der Volksversammlung, Präsident und Vizepräsident der Republika Srpska die Situation auf der Strasse unter Kontrolle zu bringen und die Menschen zu beruhigen, jedoch ohne Erfolg. Mit erregter Stimme versucht Cavic die Demonstranten zu beruhigen, sie erwidern jedoch mit Ausrufen: “Wir wollen keine Moschee!“ Und während ihn einige mit Applaus belohnen, schreit ein Mann aus der Masse: “Und was ist mit Dobrinja?“
Die Polizisten haben nur stumm betrachtet, wie die Demonstranten einen Gläubigen angreifen, der versucht hat, über die Strasse in Richtung der Burg „Kastel“ zu fliehen. Eine Illustrierung der Dunkelheit, die in Banja Luka geherrscht hatte: Als die Menge den armen Mann erreicht und ihn auf den Boden geworfen hat, wurde er von einem serbischen Kriegsinvaliden ohne Finger auf der einen Hand in Schutz genommen, der es verhindert hat, dass dieser Mann weiter geschlagen wird.
Die erzürnten Demonstranten greifen dann aus Mangel an passenden Zielen die Busse an, mit denen die Gläubigen aus der Föderation gekommen waren und zünden sie in Anwesenheit Hunderter Polizisten an. Als der erste Bus langsam vom Feuer ergriffen wird, versuchen Feuerwehrmänner erfolglos zu diesen vorzudringen. Bei diesem Versuch werden sie jedoch von den Demonstranten gehindert, so dass die Feuerwehr sich den Bussen, aus denen schon dunkler Rauch aufsteigt, nicht einmal nähern konnte. Dunkle Bilanz: Sechs Busse und ein Kombiwagen sind vollkommen verbrannt. Vom Feuer ergriffen wurden schon bald auch zwei gepanzerte Merzedes-Fahrzeuge mit Diplomaten-Autokennzeichen. Ein Korrespondent des Radio Herceg-Bosna schickt in diesen Momenten mit erregter Stimme einen dramatischen Bericht für seine Redaktion per Handy: “Banja Luka brennt!”
Einige kurze Momente nach dem Anzünden der Busse kommen mehrer junge Männer aus einem weissen Wagen „Zastava 101“ und lassen ein Ferkel aus einem weissen Sack, welches kurz danach schon auf dem Platz, wo der Grundstein für die Ferhadija-Moschee gelegt werden sollte, grast!
Unter den versammelten Demonstranten, deren Zahl ständig steigt, hört man Rufe: „Lasst uns die moslemischen Geschäfte zusammenschlagen“. Zuerst wurde eine Bäckerei in unmittelbarer Nähe des Gebäudes der Islamischen Gemeinschaft angegriffen. Eine Arbeiterin, die von einem der anfliegenden Steine getroffen wurde, wird von einigen Bürgern aus dem Geschäft herausgebracht. Gruppen von Schülern, die an diesem Tag massenweise die Schule geschwänzt haben, um sich den Demonstranten anzuschliessen, gehen weiter in die Stadt, um noch weitere Geschäfte zu demolieren. Nach einigen inoffiziellen Informationen haben jedoch drei Oberschulen in Banja Luka ihre Schüler schon früh morgens aus dem Unterricht entlassen – was darauf hinweisen könnte, dass hinter der Gewalt bei der Zeremonie der Grundsteinlegung gut vorbereitete Organisatoren stehen. Auch die erwähnten Flugblätter, die vorbereiteten Fahnen, das Ferkel, der gebratene Schweinekopf weisen darauf hin.
Der Rest der Versammelten wartet derweilen am Eingang des Gebäudes darauf, dass die Gläubigen dieses verlassen. Dabei schwingen sie mit ihren Tschetnik-Fahnen und rufen: „Dies ist Serbien“.
In der Zwischenzeit beginnt die komplizierte Aktion der Befreiung der Geiseln aus dem Gebäude der Islamischen Gemeinschaft. Nach allem zu urteilen, wird folgende Taktik angewendet: Während auf der einen Seite der Strasse die ersten Männer der SDS versuchen, die Menge zu beruhigen, werden am Hintereingang des Gebäudes mit Kombiwagen Hunderte von Gläubigen unter dem Schutz von gut bewaffneten Polizisten der Sonderbrigade der Polizei der Republika Srpska evakuiert. Sukzessiv und in kleineren Gruppen bringt die Polizei die Gläubigen in die Wagen, um sie dann in der Schule des Ministeriums für innere Angelegenheiten in der Banja Luka – Siedlung Mejdan / Obilicevo unterzubringen. Die letzten, die aus dem Gebäude evakuiert wurden (gegen 18,30 Uhr) sind Zlatko Lagumdzija, Minister der Republika Srpska wie auch der Premier der Republika Srpska, die dann mit Fahrzeugen der Regierung der Republika Srpska abtransportiert wurden.
Gesellschaft für bedrohte Völker, Sektion Bosnien – Herzegowina
S a r a j e v o , 7.Mai 2001
Presseerklärung
Trebinje
– Szenario in Banja Luka
Die
Gesellschaft für bedrohte Völker
– Bosnien und Herzegowina richtete anlässlich des heutigen gut organisierten
Angriffes der Gefolgsleute von Karadzic auf die Teilnehmer der zeremoniellen
Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Ferhat-Pascha Moschee, die genau vor
acht Jahren zerstört wurde, einen scharfen Protest an SFOR und IPTF Einheiten.
Anstatt eine Lehre zu ziehen aus der bitteren Erfahrung in Trebinje, als eine
Horde von Tschetniks die Grundsteinlegung für die Osman-Pascha Moschee
verhindert hat, und mit maximalen Vorsichtsmassnahmen einen entsprechenden
Schutz zu bieten, haben SFOR und IPTF alles der lokalen Polizei und den lokalen
Politikern überlassen, die weder an der Rückkehr der Vorkriegsbewohner noch am
Wiederaufbau ihrer religiösen Objekte interessiert sind.
Es
ist unzulässig, dass vor den Augen der grössten militärischen Macht der Welt,
bewaffnet mit den modernsten Waffen und mit dem effektivsten Nachrichtendienst
diejenigen noch immer Terror begehen, die an Massenermordungen, Vertreibungen
und Deportationen in Konzentrationslager, Massenexekutionen und
Massenvergewaltigungen beteiligt waren und Kulturdenkmale, religiöse Objekte
und ganze Städte zerstört haben, betonte Fadila Memisevic, Direktorin der
Gesellschaft für bedrohte Völker – Bosnien und Herzegowina und erinnerte
daran, dass nach dem Dayton-Friedensabkommen, welches vor über fünf Jahren
unterzeichnet wurde, SFOR und IPTF die Aufgabe haben, Bewegungsfreiheit in allen
Teilen des Landes zu sichern wie auch den Rückkehrern effektiven Schutz zu
bieten. Genau dies erwarten wir von den gutbezahlten SFOR- und IPTF-Soldaten –
einen effektiven Schutz und kein tatenloses Zusehen bei Gewalt und Terror.
Gerade
dies ist heute in Banja Luka jedoch geschehen. Der feierlichen Grundsteinlegung
für den Wiederaufbau einer der ältesten Moscheen in Bosnien und Herzegowina
wohnten neben mehrerer Tausend Vertriebener aus Banja Luka auch der Hohe Repräsentant
der Internationalen Gemeinschaft, der Diplomatenchor, Präsidiumsmitglieder von
Bosnien und Herzegowina, der Vorsteher der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien
und Herzegowina bei. Anstatt jedoch den Grundstein zu legen, wurden sie selbst
von mehr als 15 Tausend extremistischer Serben in schwarzen Anzügen mit
nationalistischen Zeichen – Tschetnik-Mützen, Fahnen mit „vier S“,
Transparenten mit Aufschriften „Dies ist Serbien“ und „Serbien bis
Tokio“ mit Steinen beworfen. Es wurden ca. 30 Leute verletzt. Alle Teilnehmer
der Zeremonie mussten in das Gebäude der Islamischen Gemeinde flüchten, in dem
sie sich noch immer befinden.
Die
faschistische Horde ist in den Hof des Gebäudes der Islamsichen Gemeinde
vorgedrungen, welcher für diesen Anlass mit bosnischen Teppichen geschmückt
war. Die Horde zündete die Teppiche an und warf ein lebendiges Schwein und ca.
10 gebratene Schweineköpfe in den Hof. Dutzende Autos und Busse, mit denen die
Teilnehmer der Zeremonie gekommen waren, wurden vom Mob demoliert und angezündet.
Sie hinderten die Feuerwehr daran, den Brand zu löschen. Die lokale Polizei
reagierte nur sehr mild, während SFOR und IPTF absolut nicht einschritten. Und
wie schon damals UNPROFOR so beaufsichtigte auch SFOR den wiederholten Terror an
denen, die schon seit acht Jahren von Australien, über Neuseeland bis nach
Amerika wandern und vergebens versuchen, in ihre Häuser zurückzukehren.
Bei einem
Treffen des Bosniakischen Intellektuellenrates und BZK „Preporod“, dem auch
die Vertreter des Serbischen Bürgerrates, des Kroatischen Nationalrates,
„Kreis 99“, der „Internationalen Humanistenliga“, der Gesellschaft für
bedrohte Völker, des Bosnischen Friedenskorps, des Verbandes für Flüchtlinge
und Umgesiedelte – Bosnien und Herzegowina, der Vereinigung der Vertriebenen
aus dem Drina-Tal, der Kroatischen Kulturgesellschaft „Napredak“ und SPD „Prosvjeta“
beiwohnten, wurde Folgendes anlässlich der Ereignisse in Banja Luka und
Trebinje erklärt:
Die neusten
neofaschistischen Orgien und der politische Terrorismus verbunden mit
Konzentrationslagern, Apartheid und Seggregation, erkennbar an den Ereignissen
in Trebinje und Banja Luka, bringen ernsthaft alle bisherigen Bemühungen für
eine Reintegration der bosnischen Gesellschaft in Frage. Auch fünf Jahre nach
dem Dayton-Abkommen ist es offensichtlich, dass es Kräfte gibt, die
systematisch und organisiert an der Obstruktion und Destruktion des Abkommens
arbeiten und dabei die Grundmenschenrechte aller Menschen, nicht nur die der
Bosniaken und Kroaten, aus der Republika Srpska, die frei und demokratisch
denken, verletzen. Die Situation ist umso schwerer, da die antibosnischen Kräfte,
die gegen den Frieden, das Zusammenleben, die Toleranz und den
Zivilisationsfortschritt arbeiten, sich auch in den Regierungsinstitutionen der
Entität Republika Srpska befinden. Wir
sind besonders besorgt über das Verhalten der Serbischen orthodoxen Kirche. Von
dieser geistlichen Institution hat man die schärfste Verurteilung der
faschistischen und antireligiösen Ausschreitungen konkret gegen das Recht der
Religionsausübung der Bosniaken erwartet.
Wir unterstützen
die Forderungen des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina und des
Ministerrates in Bezug auf die erwähnten Ereignisse. Ein volles Engagement
erwarten wir auch von anderen Politikern im Staat.
Wir fordern
auch die Verantwortlichkeit der höchsten Regierungsvertreter in der Republika
Srpska, die strafrechtliche Verantwortlichkeit der konkreten Täter wie auch materielle Entschädigungen für
alle, die bei den Ausschreitungen materiellen und anderen Schaden erlitten
haben.
Wir sind der
Meinung, dass alle Racheakte den allgemeinen Bestrebungen für eine schnelle
Normalisierung der Situation im Staat, der Förderung der Beziehung in Bosnien
und Herzegowina wie auch der Entwicklung der Zivilgesellschaft nur schaden würden.
Von den
Institutionen der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina
erwarten wir, sich endlich sehr energisch für die Erfüllung ihrer Pflichten im
Einklang mit ihren Befugnissen einzusetzen wie auch die nötigen
Schlussfolgerungen aus der gesamten Situation zu ziehen. Dies bezieht sich
besonders auf eine sichere, haltbare und würdige Rückkehr der Vertriebenen und
der Flüchtlinge, die Verhaftung der Kriegsverbrecher wie auch den Schutz der
Menschenrechte, wie dies im Dayton-Abkommen zugesichert wurde.
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Gesellschaft für bedrohte Völker Bosnisch - herzegowinische Sektion Trampina 4 / IV
S a r a j e v o , Dezember 1999
Arbeitsbericht der bosnischen Sektion der GfbV für die Jahre 1997 - 1999
Juni 1997
Die Gesellschaft für bedrohte Völker für Bosnien - Herzegowina begann ihre Arbeit mit aktiven Vorbereitungen für die Kennzeichnung des Falles von Srebrenica am 11. Juli. Am 13. Juni trafen sich Tilman Zülch und Fadila Memiševiæ mit Frauen aus Srebrenica, die im Moment in Vogošæa leben. Ihre Vertreterinnen wurden zur Sitzung des Koordinationsausschusses zum Kennzeichnen des Falles der Enklave Srebrenica am 14. Juni eingeladen. Es wurde vereinbart, daß sich alle Srebrenica- und Podrinje-Vereine verbinden, damit man den Fall Srebrenicas in einem einheitlichen Programm kennzeichnen kann. Am 15. Juni hielt Fadila Memiševiæ mit ca. 2.000 Frauen aus Srebrenica, die im Moment in Vogošæa leben, eine Sitzung ab. An die Internationale Gemeinschaft wurde ein Appell gerichtet, konkrete Schritte im Suchen der Wahrheit über die Vermißten zu unternehmen. Das Motto dieses Appells war „Wir wollen nur die Wahrheit", und er wurde von allen Anwesenden unterzeichnet. Mit diesem Appell wurden prominente Persönlichkeiten wie Margaret Thatcher, Rita Süssmuth, Simon Veil zur Teilnahme an der Aktion der Kennzeichnung des Falles von Srebrenica aufgerufen. Leider erhielten wir nur von Bianca Jagger und Dr. Sharon Silber, einer Vertreterin der Organisation „Juden gegen Genozid" aus New York, eine Antwort und Zusage. Ende Juni kam Tobias Wernle, Mitarbeiter der Kulturbrücke Schweiz - Sarajevo der Gesellschaft der schweizerisch-bosnischen Freundschaft, aus der Schweiz (Liesthal) nach Sarajevo. Auf freiwilliger Basis half er bei der Ausstattung des Büros.
Juli 1997
Vom 01. bis zum 10. Juli fuhren Fadila und Tobias oft nach Tuzla, um dort die letzten Vorbeireitungen bezüglich des Treffens mit Teilnehmerinnen des Programmes für die Kennzeichnung des Falles von Srebrenica zu treffen. Am 10. Juli 1997 kamen Tilman Zülch und Sharon Silber nach Sarajevo, etwas später auch Bianca Jagger.
Anläßlich der Kennzeichnung des zweiten Jahrestags des Falles von Srebrenica organisierte die Bosnische Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker zusammen mit der Gesellschaft für bedrohte Völker - International eine Aktion der Besichtigung des Massengrabes \uliæi, welches sich auf dem Territorium von Republika Srpska befindet. An dieser Aktion nahmen 70 Frauen aus Srebrenica und Podrinje teil. Zur Besichtigung des Massengrabes kam es leider nicht, da in \uliæi bewaffnete Serben Barrikaden aufstellten. Der latenten Gefahr wegen gaben die SFOR-Soldaten keine Erlaubnis für den Besuch. Anstatt nach \uliæi gingen die Teilnehmerinnen dieser Aktion in das Dorf Nezuk, welches sich auf dem Territorium der Föderation befindet. Am Grenzpunkt trennten die SFOR-Soldaten die Frauen von den Männern, welche sie begleitet hatten. Die Frauen wurden durchsucht und durchgelassen, den Männern wurde der Weitergang verboten. Die Aktion wurde von heimischen und internationalen Medien verfolgt.
August 1997
Es wurde eine ständige Zusammenarbeit mit dem Lagerinsassenverband Bosnien-Herzegowina hergestellt. Fadila Memiševiæ wurde in den Vorstand dieses Verbades gewählt. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Frauen aus Srebrenica wurde fortgesetzt. Es wurden einige Sitzungen mit ihnen abgehalten, wobei man darüber sprach, alle Organisationen aus Srebrenica und Podrinje in einer Dachorganisation zu vereinigen. Fadila Memiševiæ nahm als Gast und Vortragende an der Sommeruniversität in Tuzla zum Thema „Menschenrechte und Krieg" teil. Die Rückkehr der Vertriebenen und Flüchtlinge ist eines der akutesten Probleme Bosniens und Herzegowinas. Die Bosnische Sektion der GfbV widmet diesem Problem maximale Aufmerksamkeit. Tobias und Fadila besuchten in Banoviæi eine Gruppe von Roma, die freiwillig aus Deutschland zurückgekehrt sind. Es sind Probleme von der Unterkunft (die Häuser sind zerstört worden) bis zu Problemen mit den lokalen Institutionen bezüglich des Zahlens der illegalen Militärsteuer evident. Die Bosnische Sektion der GfbV forderte sofort vom Föderalen Ministerium für Flüchtlinge, sich zu diesem Problem zu äußern. Das Ministerium reagierte mit der Erklärung, daß das Einfordern von Militärsteuer ein widerrechtlicher Akt ist. Es wurde Zusammenarbeit mit der Romaorganisation „SAE Roma" aus Kiseljak bei Tuzla hergestellt. In den Räumen der GfbV in Sarajevo wurde eine Sitzung mit den Romaorganisationen SAE Roma und Brüder Roma (Sarajevo) mit dem Ziel der Herstellung von einer Zusammenarbeit zwischen Romaorganisationen abgehalten. Es wurde auch vereinbart, daß am 13. September in Tuzla die Jahresversammlung aller Romaorganisationen stattfinden soll und daß man eine Union Roma für Bosnien und Herzegowina gründet. Die Bosnische Sektion der GfbV reagierte anläßlich eines Vorfalles in Vogošæa, als die Frauen aus Srebrenica seitens der lokalen Polizei angegriffen und von Westendorp als eine Bande bezeichnet worden sind. Die Bosnische Sektion der GfbV reagierte ebenfalls anläßlich der Vorfälle in Jajce, als 400 Bosniaken, die in die Stadt Jajce und Umgebung zurückgekehrt sind, seitens der kroatischen Polizei wiederholt vertrieben worden sind. Anläßlich dieser Ereignisse gab Fadila Memiševiæ ein Interview für die unabhängige Fernsehstation TV 99. Am 20. August 1997 wurde die erste Sitzung des Rates der Bosnischen Sektion der GfbV abgehalten. Auf dieser Sitzung wurde ein Rat konstituiert, in den folgende Vertreter kamen: Prof. Dr. Atif Purivatra, Rat der bosniakischen Intelektuellen; Prof. Luka Markešiæ, Professor des Franziskaner - Priesterseminars; Prof. Dr. Smail Èekiæ, Direktor des Instituts für Kriegsverbrechen; der orthodoxe Priester Krstan Bijeljac, Priester in der alten orthodoxen Kirche; Prof. Dr. Ibrahim Bušatlija, Flüchtlingsverband Bosnien-Herzegowina; Fatima Huseinoviæ, Vereinigung der Frauen aus Srebrenica - Tuzla; Prof. Dr. Ljubomir Berberoviæ, der Serbische Bürgerrat; Irfan Ajanoviæ, Lagerinsassenverband Bosnien-Herzegowina; Šaban Mujiæ, Vorsitzender der Organisation SAE Roma; Dragica Levi, Jüdische Gemeinde Sarajevo; Mirhunisa Komarica, Vorsitzende des Flüchtlingsverbandes Bosnien-Herzegowina.
Fadila Memiševiæ und Tobias Wernle besuchten alle Roma - Gemeinschaften auf dem Gebiet der Föderation mit dem Ziel, die Vereinigung aller Roma - Gemeinschaften innerhalb Bosniens und Herzegowinas vorzubereiten.
September 1997
Die Bosnische Sektion der GfbV organisierte eine Gründungskonferenz der Roma - Union in Tuzla. Bei der Konferenz waren ca. 60 Vertreter aller Romaorganisationen aus ganz Bosnien und Herzegowina anwesend. Es wurde entschieden, daß die Aktivitäten der Roma - Union im Rahmen der bosnischen Sektion ablaufen sollen.
Fadila Memiševiæ nahm an einer Konferenz über Menschenrechte und Demokratie in Dijarbakir teil. Sie gab dort mehrere Interviews für türkische Zeitungen und Fernsehsender.
Oktober 1997
Die GfbV - International eröffnete in Sarajevo eine Ausstellung mit dem Titel „Eine Stimme gegen das Versagen Europas". Die Ausstellung traf auf großes Interesse und wurde zum Medienereignis. Sie wurde in großer Zahl wie vom einheimischen so auch vom internationalen Publikum besucht.
Am 11. Oktober organisierte die Bosnische Sektion der GfbV zusammen mit den Frauen aus Srebrenica schweigende Demonstrationen unter dem Motto „Wir suchen unsere Söhne, Männer und Brüder - wir wollen die Wahrheit". An den Demonstrationen nahmen rund 1.000 Frauen teil. Neben den einheimischen Medien berichteten auch viele internationale Medienhäuser wie BBC, REUTER, Washington Post, New York Times und schweizerische-, japanische und kanadische Fernsehstationen über dieses Ereignis.
November 1997
Die Bosnische Sektion organisierte die Gründungsversammlung des Vereins „Mütter aus Srebrenica und aus dem Drina - Tal". Dieser Verein versammelt alle Mütter, die nach ihren Angehörigen suchen. Zusammen mit dem Verein organisierte die Bosnische Sektion der GfbV am 11. November erneut Demonstrationen. Das Hauptziel dieser Aktion war die Freilassung der drei gefangenen Männer aus Srebrenica, die von einem Gerichtshof in der Republika Srpska unschuldig zu je zwanzig Jahren Haft verurteilt worden waren. Rund 3.000 Frauen nahmen an den schweigenden Demonstrationen teil. Fadila Memiševiæ forderte von den Vertretern der OSCE, OHR und dem amerikanischen Botschafter, das sofortige Bewirken einer Freilassung der drei unschuldigen Männer, die von amerikanischen IFOR - Soldaten an Serben übergeben worden waren. Am 14. November nahm die Bosnische Sektion an der Internationalen Roma - Konferenz in Tuzla teil. Die Konferenz fand statt unter dem Titel „Perspektiven der Roma und Rückkehrmöglichkeiten nach Bosnien und Herzegowina". Außer den Vertretern der Roma - Union war an der Konferenz auch Tilman Zülch, der GfbV - Bundesvorsitzende, anwesend.
Dezember 1997
Anläßlich des Sarajevo - Besuches des USA - Präsidenten, Bill Clinton, richtete die Bosnische Sektion einen Appell an diesen: „Herr Clinton, willkommen ins ungeteilte Bosnien und Herzegowina". Auch der Bundeskanzler Kohl wurde bei seiner Ankunft in Sarajevo mit gleichem Appell empfangen. Am 11. Dezember organisierte die Bosnische Sektion der GfbV wieder schweigende Demonstrationen, an denen ca. 4.000 Frauen teilnahmen. Die Forderungen zur Freilassung der drei Männer aus Srebrenica wurden ebenfalls wiederholt.
Januar 1998
Fadila Memiševiæ nahm an einer Konferenz für wahlberechtigte Frauen, die von der ehemaligen US - Botschafterin in Österreich, Swanee Hunt, organisiert wurde, teil. Die Registrierung der Union - Roma wurde abgeschlossen. Anläßlich des Besuches von Bob Dole, US - Senator, wurden schweigende Demonstrationen mit Botschaften wie „Herr Dole, Sie sind unsere letzte und einzige Hoffnung für das Herausfinden der Wahrheit über die Vermißten!" organisiert.
Februar 1998
Im Februar begannen wir mit der Arbeit am Projekt zur Erfassung der Kriegsverbrechen, die in der südwestlichen Herzegowina begangen wurden. Es wurde ein Arbeitsteam zusammengestellt, Aktivisten für die Städte Èapljina, Stolac, Prozor und Mostar ernannt. Die Evidenz der Vertriebenen, die befragt werden sollen, wurde abgeschlossen. Bis jetzt wurden ca. 600 Personen evidentiert. Das Projekt wurde an das Sarajevoer Büro des Kriegsverbrechertribunals aus Den Haag weitergeleitet. Man erwartet jetzt ihre Zustimmung in Bezug auf das Design des erstellten Fragebogens. Fadila Memiševiæ nahm an einer Konferenz über Verbrechen an Frauen in Genf teil.
März 1998
Tilman Zülch und Fadila Memiševiæ nahmen an der Buchvorstellung „Sechzehn Antworten für Peter Handtke" teil. Das Buch wurde in bosnischer Sprache vom Rat der bosniakischen Intellektuellen und dem Institut gegen Verbrechen herausgegeben. Fadila Memiševiæ nahm teil an einer Konferenz über Menschenrechte der Frauen und Frauenrechte im Sitz der Vereinten Nationen in Genf. Tilman Zülch und Fadila Memiševiæ wurden zu einer Veranstaltung des Serbischen Bürgerrates in Sarajevo eingeladen, wobei der Serbische Bürgerrat der GfbV einen Preis für multiethnische Zusammenarbeit und Toleranz überreichte.
April 1998
Die Bosnische Sektion der GfbV nahm an einer Konferenz über Rückkehr der Flüchtlinge in Banjaluka teil. Diese Konferenz wurde vom Hohen Vertreter für Bosnien und Herzegowina, Carlos Westendorp, organisiert. Dies war zugleich auch die erste Reise in die Republika Srpska. Fadila Memiševiæ reiste zusammen mit Tobias Wernle und Michael Brand Ende April nach Brèko. Überall in der Stadt konnte man Plakate mit Bildern des Kriegsverbrechers Radovan Karadžiæ sehen. Sie besuchten jene Siedlungen, die vorwiegend von Bosniaken bewohnt waren und nun bis auf den Grund zerstört sind - Beispiel Crna Rijeka. Sie sprachen mit dem Bürgermeister Brèkos - Mirsad \apo, der seinen Sitz außerhalb der Stadt in der Gemeinde Brka hat.
Mai 1998
Die Bosnische Sektion der GfbV nahm an einer Konferenz über die Rückkehr der Flüchtlinge in Bonn teil. Diese Konferenz wurde von der GfbV - International Göttingen organisiert. Die Bosnische Sektion nahm auch an der Hauptjahresversammlung der GfbV in Hann.Münden teil. Fadila Memiševiæ stattete zusammen mit Sharon Silber und Vertretern von Kosovo - Albanern Ignaz Bubis, den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, eine Besuch ab. Am 30. Mai nahm die Bosnische Sektion an einer Veranstaltung anläßlich der Jahresversammlung des Serbischen Bürgerrates in Sarajevo teil, wobei Fadila Memiševiæ dort auch eine Begrüßungsrede hielt. Am 31. Mai wurde die Bosnische Sektion von schweizerischen Parlamentarierinnen besucht. Man sprach über die Rückkehrsituation in Bosnien und Herzegowina und die Möglichkeiten der Rückkehr. Sie zeigten besonderes Interesse für das Schicksal der Frauen aus Srebrenica.
Juni 1998
Nach dem Evidentieren der Adressen der Vertriebenen aus ^apljina, Stolac, Mostar, Prozor, Gacko, Nevesinje und Trebinje begann die Sektion im Rahmen der Realisierung des Projektes ICTY, Aussagen von nun in Konjic lebenden Vertriebenen aus ^apljina zu sammeln. In diesem Zeitraum führten wir über 200 Gespräche und konnten ca. 60 Aussagen von Vertriebenen, die aussagen wollten und die über die benötigten Informationen verfügten, erhalten. Neben der Realisierung des Projektes ICTY setzte die Bosnische Sektion auch weiterhin ihre regelmäßigen politischen Aktivitäten fort. In den Räumen der Bosnischen Sektion wurde die zweite Jahresversammlung der Union Roma Bosniens und Herzegowinas abgehalten, wobei sich ihr diesmal auch andere erst gegründete Roma - Organisationen anschlossen. Tilman Zülch und Fadila Memiševiæ nahmen an einer Buchvorstellung des Kongresses über Genozid, herausgegeben vom Institut zur Erfassung der Kriegsverbrechen aus Sarajevo, teil. Tilman Zülch war einer der Promotoren dieses Buches. Am 19. Juni statteten Tilman Zülch und Fadila Memiševiæ dem islamischen Religionsoberhaupt in Bosnien und Herzegowina, reis-ul-ulema Mustafa ef. Ceriæ, einen Besuch ab. Am gleichen Tag kamen Günther, Mike und Matthias nach Sarajevo und brachten einen Computer und anderes Bürobedarf für das Büro mit. Am 20. Juni reisten Tilman, Günther, Mike, Matthias und Fadila nach Goražde über den Korridor. Dort besuchten sie das Transit - Flüchtlingszentrum. Am 30. Juni fuhr Fadila nach Bijeljina, um dort bei der neuen Gerichtsverhandlung im Fall der drei Männer aus Srebrenica, die in einem montierten Prozeß zu jeweils 20 Jahren Haftstrafe verurteilt wurden, anwesend zu sein.
Juli 1998
Der Lagerinsassenverband Bosniens und Herzegowinas organisierte einen Runden Tisch zum Thema „Der Status der Lagerinsassen in der Verfassung Bosniens und Herzegowinas". Fadila Memiševiæ nahm an diesem Runden Tisch mit dem Vortragsthema „Die Lagerinsassen sind Zeugen des Genozids" teil. Die Bosnische Sektion engagierte sich zusammen mit den Frauen aus Srebrenica bei den Vorbereitungen der Kennzeichnung des dritten Jahrestages des Falls der Enklave Srebrenica. Man schrieb zusammen 2 Wochen lang die Namen der Vermißten ( über 8.000 Namen) auf ein über 100 Meter langes Stoffband. Die Sektion organisierte zusammen mit den Frauen aus Srebrenica schweigende Demonstrationen, wobei man am 11. Juli den Stoff mit den Namen der Vermißten vor der holländischen, britischen und französischen Botschaft ausbreitete, fragend: „Wo sind unsere Söhne?". Ein Teil dieses Stoffbandes wurde in Form eines großen Paketes an die Adresse von Slobodan Miloševiæ mit der gleichen Frage: „Wo sind unsere Söhne?" geschickt. Eine Vertreterin der Bewegung der Mütter aus den Enklaven Srebrenica und @epa. Kada Hotiæ, eine Vertreterin der Frauen aus Srebrenica, reiste zusammen mit Fadila Memiševiæ nach Göttingen, um dort an den Mahnwachen der GfbV in Bonn (Treffen der Kontaktgruppe in Petersburg anläßlich der Kosovo - Krise) teilzunehmen. Am 11. Juli nahmen diese beiden auch an den schweigenden Demonstrationen zur Erinnerung an Srebrenica in Berlin teil. Am 12. Juli wurden Fadila Memiševiæ und Kada Hotiæ vom Minister Heuer empfangen. Am 21.Juli verstarb unerwartet der Banjaluka - Mufti ef. Haliloviæ . Tilman Zülch kam nach Sarajevo, um bei der Beerdigung, die in Sarajevo abgehalten wurde, da sie in Banjaluka nicht gestattet worden war, anwesend zu sein. Bei diesem Anlaß richtete sich Tilman Zülch durch eine Presseerklärung an die Öffentlichkeit. Die Bosnische Sektion wurde von Vertretern der amerikanischen Organisation „Jews against genocid" - Marla Stone und Paul Lerner. Es wurde eine Zusammenarbeit mit den Frauen aus Srebrenica besprochen. Tilman Zülch, Sharon Silber und Fadila Memiševiæ fuhren nach Tuzla und trafen sich dort mit Ärzten für Menschenrechte, die an der Identifikation der ausgegrabenen Überreste der Männer aus Srebrenica arbeiten. Der Prozeß der Identifikation läuft sehr langsam ab.
August 1998
Fadila Memiševiæ und Sharon Silber besuchten das Dorf Ahmiæi bei Vitez, welches seitens der HVO vollkommen zerstört wurde. Die überlebenden Vertriebenen kehren nun in das Dorf zurück. Wir sprachen mit einigen von ihnen über vorhandene Probleme. Am 13. August organisierte die Bosnische Sektion zusammen mit dem Albanerklub „Bajram Curri" eine Pressekonferenz über Kosovo. Teilnehmer dieser Konferenz waren Albaner aus Orahovica, die schwere Torturen überlebt hatten, wie auch Mitglieder des Vorstandes der Bosnischen Sektion der GfbV. Diese Konferenz stieß auch bei den Medien auf großes Interesse. Mehr als 10.000 Kosovo - Flüchtlinge kamen in dieser Zeit nach Bosnien. Die Bosnische Sektion engagierte sich besonders für die Registrierung aller Formen von Menschenrechtsverletzungen aufgrund von Gesprächen mit Kosovo -Flüchtlingen. Am 27. August nahm Fadila Memiševiæ an einer Konferenz über das Verhindern von Konflikten in Organisation des amerikanischen Instituts für Wahrheit und Versöhnung teil. An der Konferenz waren auch Vertreter aus Irland, Ruanda und der Südafrikanischen Union anwesend. Am 31. August hat die Bosnische Sektion anläßlich Kinkels Sarajevo - Besuch und der Eröffnung des Volkswagenbetriebes in Vogošæa eine Mahnwache in Vogošæa organisiert. Vor einigen hundert Anwesenden haben die Teilnehmer der Mahnwache ein Transparent der GfbV ausgebreitet : „Herr Kinkel, in Bosnien sind schon 10.000 Flüchtlinge aus dem Kosovo, tun Sie endlich etwas".
September 1998
Die norwegische Regisseurin polnischen Ursprungs, Maria Warsinski, besuchte unsere Räume bezüglich des Drehens eines Dokumentarfilmes über Srebrenica. Man interviewte die Frauen aus Srebrenica in den Räumen der Sektion. Gleichzeitig wurde die Bosnische Sektion auch von Journalisten des Süddeutschen Rundfunks, die eine Reportage über die Arbeit der Sektion machten (veröffentlicht am 15.09.), besucht. Nach Sarajevo kam auch Christina Haverkamp, die zusammen mit Fadila einige Teile Bosniens bereiste. Sie fuhren zusammen nach Mostar und in die umliegenden Dörfer, in welche nun Serben zurückkehren. Zusammen mit dem Vorsitzenden des Serbischen Bürgerrates - Mostar, Ratko Pejanoviæ, besuchten sie serbische Familien in Baèeviæi, die Nevesinje verlassenen hatten und in ihr eigenes Dorf zurückkehrt sind. Neben Mostar besuchten sie auch noch Stolac und Buna. Am 14. September reiste Fadila Memiševiæ auf Einladung des Tribunals nach Den Haag. Dort sprach man über die Realisation des Projektes. Ende September wurde in den Räumen der Bosnischen Sektion ein Treffen mit den Ärzten für Menschenrechte abgehalten. Dabei sprach man über eine Zusammenarbeit bei der Identifikation der ausgegrabenen Überreste der Männer aus Srebrenica. Wir einigten uns darauf, daß die Bosnische Sektion der GfbV hier eine Vermittlerfunktion haben sollte. Der guten Beziehungen und des großen Einflusses auf die Frauen aus Srebrenica wegen können wir zwischen den Ärzten und den Frauen vermitteln, um so eine gute Zusammenarbeit, die für den Prozeß der Identifikation notwendig ist, herzustellen. Die Aktivität der Bosnischen Sektion war in diesem Monat besonders an die Wahlen in Bosnien und Herzegowina gebunden. Nach Bekanntgabe der Wahlresultate, besonders der Wahl Poplašens zum Präsidenten der Republika Srpska, reagierte die Bosnische Sektion der GfbV mit einer Presseerklärung, in der sie Vertreter der Internationalen Gemeinschaft deshalb angriff, da sie einem Tschetnik - Herzog als politischen Partner in Bosnien und Herzegowina akzeptiert haben.
Oktober 1998
Die Bosnische Sektion wurde von der schweizerischen Parlamentarierin Vreni Müller besucht. Es wurde über die Rückkehr der bosnischen Flüchtlinge nach Bosnien und die Situation der Kosovo - Flüchtlinge in Bosnien und Herzegowina gesprochen. Zusammen mit Fadila Memiševiæ besuchte sie die Kollektivunterkunft in der Coca - Cola Fabrik in Hadžiæi, wo Kosovo - Flüchtlinge untergebracht sind. Die Arbeit an der Realisierung des Projektes ICTY wurde fortgesetzt. Nach abgehaltenen Gesprächen setzte man mit der Erfassung der Aussagen der Vertriebenen aus Gacko, Nevesinje, Stolac und Poèitelj fort. Unsere Feststellungen und Erfahrungen faßten wir in unseren regelmäßigen Berichten, die wir an das Tribunal schicken, zusammen. Die deutsche freie Journalistin aus Berlin, Elke Marhöfer, besuchte die Sektion, um mit unserer Hilfe einen Teil ihres Filmes „Die Zeit nach dem Krieg" zu drehen. Fadila nahm an der Jahresversammlung der GfbV - International in Luxemburg teil. Es konnte auch eine gute Zusammenarbeit mit der Organisation „Lachen Helfen", die im Rahmen der deutschen SFOR - Truppen arbeitet, erschlossen werden.
November 1998
In diesem Monat wurden wir von einer holländischen Gruppe für Menschenrechte, die sich sehr für Srebrenica engagiert, besucht. Diese Gruppe ist ansässig in Amersfort und organisiert Seminare zum Thema Srebrenica. Die Bosnische Sektion bekam eine Einladung für einen Besuch Ende Oktober. Die Bosnische Sektion erhielt anläßlich des fünfjährigen Jubiläums des Rates der bosniakischen Intellektuellen eine Auszeichnung für den Beitrag an der Schaffung eines gemeinsamen, multikulturellen Bosniens und Herzegowinas. In diesem Monat besuchten wir Mostar und Jablanica. In dem Kollektivzentrum „Šljunkara" in Jablanica leben schon seit vier Jahren Vertriebene aus Städten und Dörfern der sogenannten Herzeg - Bosna. Die meisten Familien sind aus Prozor. Dieses Kollektivzentrum, welches im Moment 270 Vertriebene beherbergt, besteht aus Containern und bietet kaum humane Lebensmöglichkeiten. Wir sandten sofort ein Appell, diesen Menschen in irgendeiner Hinsicht zu helfen, da sie absolut keine Hilfe erhalten. Die deutschen SFOR - Truppen antworteten auf unseren Appell und brachten dorthin einige Ladungen Nahrungsmittel, Bekleidung und Schuhe. Seitdem sind wir mit diesen engagierten Helfern im ständigen Kontakt und haben eine gute Zusammenarbeit. Fadila Memiševiæ nahm an der Internationalen Konferenz des ICK teil. Man sprach dort über das Schicksal der Vermißten aus Bosnien und Herzegowina.
Dezember 1998
Am 3. Dezember fuhr Fadila Memiševiæ nach Bonn, um dort an der Eröffnung der Ausstellung anläßlich des dreißigjährigen Jubiläums der GfbV teilzunehmen. Nach der Eröffnung der Ausstellung fuhr Fadila nach Den Haag, um dort über den Stand der Realisierung des Projektes ICTY zu berichten. Am 10. Dezember nahm sie teil in einer Podiumsdiskussion anläßlich des Menschenrechtsgedenktages und des 50jährigen Jubiläums der Konvention über Menschenrechte zum Thema „Zeit für Frauen - Zeit für den Frieden". Diese Podiumsdiskussion wurde vom deutschen Parlamentsvorsitzenden und dem Haus der Sprache und Literatur organisiert. Neben anderen Teilnehmern waren dort auch Andre Gluksmann, Rita Süssmuth und Marieluise Beck. Am 19. Dezember nahm Fadila an einer Tribüne der Bosniakischen Intellektuellen mit einem Referat zum Thema 50 Jahre der Konvention über das Verhindern und Bestrafen des Genozids und 30 Jahre Arbeit und Bestehen der GfbV teil. Man reiste auch nach Mostar und besuchte dort die umliegenden serbischen Dörfer und die Rückkehrer in diese Dörfer. Mit Hilfe des guten Kontaktes zum Serbischen Bürgerrat - Mostar und seinem Vorsitzenden Ratko Pejanoviæ konnten wir von den serbischen Rückkehrern Aussagen darüber erhalten, wie sie vertrieben worden waren und was sie überlebt haben. In diese Dörfer kamen ca. 1.000 Familien, die während der Kriegsdauer in Nevesinje, Trebinje, Gacko und dem westlichen Teil Mostars gelebt haben, zurück. Mit Hilfe der deutschen SFOR - Soldaten konnten wir diesen Menschen für die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage Nahrung, Decken und Bekleidung zu Verfügung stellen.
Januar 1999
Wir waren anwesend bei der Premiere des Maria Warsinski - Filmes „Verbrechen und Strafe", welcher zum großen Teil mit Hilfe der Bosnischen Sektion der GfbV gedreht wurde. Dieser Film hat zum Thema den Fall der Enklave Srebrenica, die meisten Darsteller sind auch Frauen aus Srebrenica. Am 15. Januar wurde die Bosnische Sektion von Hildegard Müller und Franz - Josef Gemein, Vertreter der CDU Jugendunion aus Bonn, besucht. Der Zweck des Besuches war, die deutsche Öffentlichkeit mit der Situation in Bosnien und auf dem Kosovo bekanntzumachen. Auf der Jahresversammlung der Bewegung der Mütter aus Srebrenica und @epa wurde Fadila Memiševiæ zur Vorsitzenden des Vorstandes dieser Organisation gewählt. Die Bosnische Sektion der GfbV organisierte schweigenden Demonstrationen zusammen mit den Frauen aus Srebrenica anläßlich der bestätigten Verurteilung der drei Männer aus Srebrenica: Ahmo Harbaš, Behudin Husiæ und Nedžad Hasiæ, die insgesamt zu 61 Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurden. Die Teilnehmerinnen des Protestes versammelten sich vor der Kanzlei von Carlos Westendorp und forderten von ihm, sich für die Freilassung dieser unschuldigen Männer zu engagieren. Schweigende Demonstrationen wurden auch vor der US - Botschaft mit gleicher Forderung zur Freilassung der drei Männer aus Srebrenica abgehalten.
Februar 1999
In diesem Monat bezog sich ein großer Teil der Aktivitäten der Sektion auf die Schiedsentscheidung für Brèko. Die Bosnische Sektion organisierte ein Treffen mit Vertriebenen aus Brèko, die in der Vereinigung „Brèko - den Einwohnern Brèkos" vereinigt sind. An das Schiedstribunal für Brèko wurde ein Appell gerichtet. Darin wurde hervorgehoben, daß die beste Lösung für Brèko ein Neutral - Distrikt wäre. Die Bosnische Sektion wurde von der SFOR - DMNSE angeführt vom Oberstabsfeldwebel Wolfgang Ostmeier besucht. Sie gehören zu der Abteilung „Zivil - Militärische Zusammenarbeit" und sind in Rajlovac bei Sarajevo stationiert. Sie wollten uns persönlich darüber informieren, was sie für die serbischen Rückkehrer nach Mostar wie auch für die Vertriebenen, die in einem Kollektivzentrum in Jablanica leben, getan haben. Wir haben nun eine wirklich feste Zusammenarbeit erwirkt. Die Bosnische Sektion der GfbV wurde auch von einem Vertreter des Tribunals aus Den Haag, Jan van Hecke, der die Realisierung des Projektes ICTY überwacht, besucht. Er hat sich besonders für unsere Untersuchungen im Gebiet Trebinje interessiert. Wir überreichten ihm das gesamte von uns überarbeitete Material auf 20 Disketten, auf denen sich über 1.500 Seiten Dokumentationsmaterial befinden. Die Vertreter der Organisation „Jews against genocid" aus den USA haben zusammen mit einer Menschenrechtsorganisation aus New York die Bosnische Sektion und Mütter aus Srebrenica zu einem Besuch nach Washington und anderen USA - Städten eingeladen. Sie werden ein Programm des Besuches erstellen, wobei sie auch eine große Pressekonferenz organisieren könnten, auf der die Mütter sagen würden, was sie möchten und verlangen. Am 23. Februar wurde die Bosnische Sektion von einer ZDF - Journalistin, Ulrike Baur, besucht. Diese führte mit Fadila Memiševiæ ein Gespräch über die Möglichkeiten des Drehens eines Filmes. Die Thematik des Filmes wäre die Rückkehr zweier vertriebener Frauen aus Kozarac, deren Männer auf dem Berg Vlašiæ massakriert worden sind.
März 1999
Es wurde eine internationale Konferenz über vergewaltigte Frauen unter dem Motto „Wahrheit jetzt - Frieden für immer" abgehalten. Fadila Memiševiæ nahm an der Konferenz mit dem Referat „Für ein neues Verständnis der Frau als Zeugin - Zeugenschutz" teil. Es wurde am Projekt ICTY weitergearbeitet. Da wir genügend Material aus den Orten, die wir im Projekt gekennzeichnet hatten, gesammelt haben, begannen wir mit den Vorbereitungen für das Abhalten eines Runden Tisches. Die Resultate unserer Untersuchungen veröffentlichten wir in einem Spezialbericht, welcher der Sonderdruck für ein Buch, was wir zu veröffentlichen beabsichtigen, sein wird. Die Überschrift dieses Werkes lautet „Suche nach Gerechtigkeit". Am 26. März wurde ein Runder Tisch unter gleicher Überschrift abgehalten. Der Untertitel lautete: Unterstützung der Entwicklung demokratischer Prozesse in der Herzegowina als Basis für Versöhnung und die Wiederherstellung einer multikulturellen Gemeinschaft (Siehe Beilage : Mappe). Im Beschluß des Runden Tisches wurde eine Kritik an die Arbeit des Tribunals in Den Haag wegen der Hinauszögerung bei der Lösung abgegebener Fälle, die an die in der Herzegowina begangenen Verbrechen gebunden sind, gerichtet. Kein Verdächtigter wurde bis jetzt nach Den Haag berufen. Der Runde Tisch wurde von den Medien - von allen Fernseh- und Radiostationen wie auch von der Presse - gut verfolgt. Der Beginn der NATO - Angriffe übte Einfluß auf eine verstärkte Vertreibung der Kosovo - Albaner. Nach Bosnien kamen innerhalb von zwei Tagen mehrere Tausend Kosovo - Albaner und Sandschak - Bosniaken. Die Bosnische Sektion konzentrierte sich in ihrer Aktivität auf die Problematik der Vertriebenen aus dem Kosovo und Sandschak. Am 29. März organisierte die Bosnische Sektion zusammen mit der Bewegung der Mütter aus den Enklaven Srebrenica und @epa einen Besuch des Leichenschauhauses in Tuzla, wo sich exhumierte Überreste von 1.200 Männern aus Srebrenica befinden. Diese Leichen wurden aus einem Massengrab in der Nähe Srebrenicas ausgegraben. Es war das erste Mal, daß die Mütter diesen sogenannten „Tunnel" besuchten. Danach besuchten die Vertreterinnen der Bewegung der Mütter der Enklaven Srebrenica und @epa zusammen mit Fadila Memiševiæ die drei gefangenen Männer aus Srebrenica, die sich jetzt im Gefängnis in Tuzla befinden. Sie erwarten jetzt eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Banjaluka in Bezug auf ihre Verurteilung.
April 1999
Es wurde ein Team zum Interviewen der Kosovo-Albaner, die nach der Vertreibung nach Bosnien kamen, formiert. Zu diesem Zweck wurde ein sehr guter Kontakt mit dem albanischen Klub „Bajram Curri" geknüpft. Innerhalb eines Monats wurden 500 Interviews gemacht. Die deutschen Truppen der SFOR reagierten auf unsere Bitte und halfen den Kosovo-Roma mit Nahrungspaketen. Die deutschen SFOR-Truppen halfen aber auch vielen Kosovo-Flüchtlingen, die in privaten Häusern untergebracht waren.
Mai 1999
Es wurde eine umfassende Dokumentation über Verbrechen im Kosovo, systematisiert nach Art des Verbrechens, zusammengestellt. Die Arbeit mit Kosovo-Albanern wurde fortgesetzt. Vom 07. - 10.05.1999 nahm Fadila an der Hauptjahresversammlung der Gesellschaft für bedrohte Völker in Hann. Münden teil. Vom 11. - 15. Mai nahm Fadila am großen Friedenskongreß der Frauenorganisationen aus der ganzen Welt teil. Der Kongreß wurde in der großen Kongreßhalle gegenüber des Gebäudes des Tribunals für Kriegsverbrechen in Den Haag abgehalten. Am 12. Mai hatten Fadila und Alexander P. ein Treffen mit dem Expertenteam des Tribunals bezüglich des Srebrenica-Projektes. Bei dieser Gelegenheit übergaben sie dem Tribunal die Dokumentation über die Verbrechen im Kosovo. Diese Dokumentation ist das Resultat der Untersuchungsarbeit von drei Expertenteams der Gesellschaft für bedrohte Völker, die mehr als 1.000 Interviews mit Kosovo-Vertriebenen in Albanien, Mazedonien und Bosnien und Herzegowina gemacht haben. Am 27. Mai 1999 wurde in den Räumen der Bosnischen Sektion der GfbV eine Pressekonferenz abgehalten, bei der die Resultate der Arbeit der GfbV an der Erfassung der Verbrechen im Kosovo präsentiert wurden. Die Konferenz wurde durch die Erhebung der Anklage gegen Slobodan Miloševiæ tempiert. Alle heimischen und ausländischen Medien berichteten über diese Konferenz.
Juni 1999
Am 01. Juni organisierte die Gesellschaft für bedrohte Völker - International eine Pressekonferenz in Bonn. Auf dieser Konferenz wurde die Dokumentation über die Verbrechen von Slobodan Miloševiæ im Kosovo und in Bosnien und Herzegowina präsentiert. Es nahmen teil: Tilman Zülch, Fadila Memiševiæ und Irina Wisnnar. Die Arbeit mit Kosovo-Vertriebenen wurde fortgesetzt. Die Roma-Minderheit Kosovos gründete unter der Schirmherrschaft der Bosnischen Sektion der GfbV in Sarajevo die Union Roma - Kosovo. Der Vorsitzende der Union ist Dr. med. Ibrahim Hasani. Die Roma und Bosniaken vom Kosovo bedürfen Schutz, da sie ständig zu Opfern der albanischen Rache werden. Nach Abschluß der NATO-Angriffe kam es zur Rückkehr der Kosovo-Albaner. Sie begannen sofort damit, sich an den Roma zu rächen. Ihre Dörfer wurden angezündet, die Roma aus ihnen vertrieben. Vom Ende des Krieges bis Ende Juni kamen nach Bosnien neue 1.000 Roma - Flüchtlinge, die alle von Albanern vertrieben worden sind.
Juli 1999
Die Bosnische Sektion der GfbV nahm an der Kennzeichnung des 4. Jahrestages des Falles von Srebrenica teil. Zusammen mit der Bewegung „Mütter aus den Enklaven Srebrenica und @epa" wurde am 11. Juli eine Aktion organisiert, bei welcher die ausgegrabenen Überreste der Männer aus Srebrenica, die in Visoko in Containern gelagert liegen, besucht wurden. Ca. 100 Frauen besuchten zusammen mit Fadila diese Knochen. Die Container wurden aus dem Kreis des Leichenschauhauses auf einem Parkplatz, wo früher Müll gelagert wurde, verlegt. Für alle Mütter war dies schockierend. Am gleichen Tag wurden große schweigende Demonstrationen vor der UN-Mission in Sarajevo abgehalten. Diesen Demonstrationen schlossen sich auch Gruppen aus Frankreich, England und Holland, die in der Bewegung für Gerechtigkeit für Srebrenica vereinigt sind, an. Am 13.07. wurde eine Reise nach Potoèari organisiert. Vor 4 Jahren wurden dort die Männer von diesen Frauen getrennt und in unbekannter Richtung abgeführt. Fadila nahm an der Promotion des Buches über Verbrechen in Srebrenica teil. Am 29. - 30. Juli wurde in Sarajevo das Balkan - Gipfeltreffen abgehalten. Vertreter aller Länder der Welt nahmen an diesem Treffen teil, unter ihnen Clinton, Schröder, Chirack, Jelzin und Tony Blair. Die Bosnisch-herzegowinische Sektion organisierte am 29. Juli 1999 zusammen mit der GfbV - Deutschland eine Pressekonferenz. Auf dieser Pressekonferenz wurde das Memorandum präsentiert, welches von 100 bosnisch-herzegowinischen Organisationen unterzeichnet wurde. Dieses Memorandum wurde zum Dokument des Gipfeltreffens vorgeschlagen. Zum Gipfeltreffen organisierte die Bosnisch-herzegowinische Sektion am 30.07.1999 schweigende Demonstrationen mit den Frauen aus Srebrenica. Die Frauen standen an einer Kreuzung, die alle Teilnehmer des Treffens passieren mußten und hielten Transparente mit Aufschriften wie : „Wir fordern die Wahrheit über Srebrenica", „Wir suchen nach unseren Liebsten". Die Medien berichteten vielfach über diese Aktion.
August 1999
Der schweizerische Journalist Willi Wottreng besuchte die Bosnisch-herzegowinische Sektion zusammen mit dem Vorsitzenden der Stiftung für den Schutz der Roma, Stefan Heinnichen. Sie kamen nach Bosnien und Herzegowina, um die Lage der Roma zu erkunden. Das Interesse für Bosnien und besonders für die Arbeit der Bosnisch-herzegowinischen Sektion ist seitens der ausländischen Journalisten ständig präsent. In dieser Zeit besuchte auch der holländische Journalist der Zeitung Het Parol, Jop Holthausen, unser Büro in Sarajevo. Schon 1995 hatte er Fadila Memiševiæ interviewt. Das Ziel dieses Besuches war, eine Reportage über Bosnien und Herzegowina und die Bosnisch-herzegowinische Sektion zu machen. Zusammen mit Fadila Memiševiæ und dem schweizerischen Journalsiten Marcel Stößel reiste er nach Mostar. Dort besuchten sie einige Dörfer im östlichen Mostar, in die nun Serben zurückgekehrt sind.
September 1999
Am 2.September war die Feier von Tilmans 60sten Geburtstag. Tilmans Freunde aus Bosnien und Herzegowina gratulierten ihm auf eine besondere Weise. Sie bestellten ein Bild eines bekannten bosnischen Malers - Zaimoviæ - mit stilisierten bosnischen Motiven, schrieben eine Widmung darunter und unterzeichneten auch einzeln. Dieses Bild wurde Tilman seitens Fadila persönlich bei der Feier seines Geburtstages in Göttingen überreicht. Fadila war zu Gast im Katharina-Werk in Basel. Bei dieser Gelegenheit hatte sie mehrere Interviews mit schweizerischen Journalisten. Am 11.09.1999 nahm Fadila bei der Kennzeichnung des 10jährigen Jubiläums der Schweizerischen Sektion der GfbV teil. Dieses Jubiläum war gleichzeitig auch ein Abschied von Göpf Berweger, der 10 Jahre lang die Schweizerische Sektion leitete und zum einzigartigen Symbol der GfbV - Schweiz geworden ist. Am 15.09.1999 wurde in Sarajevo die Jahresversammlung der Union Roma - Bosnien und Herzegowina abgehalten. Bei dieser Versammlung wurde ein neuer Vorstand gewählt. De Vorsitzende der Union Roma ist nun der Ingenieur Mehmed Suljiæ, der Hauptsekretär ist der Ingenieur Alaga Suljiæ. Stefan Liebig - studiert Journalistik in Göttingen - und Almira Dzananovic - studiert Geschichte und PW in Bonn - traten ihr Praktikum im Sarajevoer Büro an. Am 21. September wurde das Büro in Sarajevo von Vertretern des Tribunals für Kriegsverbrechen in Den Haag besucht - Habiers. Wir sprachen über das Projekt ICTY, welches die Bosnisch-herzegowinische Sektion zusammen mit der GfbV im Gebiet der Herzeg-Bosna durchgeführt hat. Fadila nahm zusammen mit Tilman an den 8.Brauner Zeitgeschichte-Tagen „Notwendige Begegnungen" teil. Am 29. September absolvierten Stefan Liebig und Almira Džananoviæ ihr Praktikum und verließen unser Büro.
Oktober 1999
Am 1.Oktober war Fadila anwesend bei der Audienz anläßlich der Eröffnung der neuen Deutschen Botschaft in Sarajevo und der Ernennung des neuen deutschen Botschafters. Das Büro in Sarajevo wurde auch vom Vorsitzenden des Helsinki - Komitees für Sandschak - Šefko Aliomeroviæ besucht. Es wurden Informationen über die Situation im Sandschak und im Kosovo ausgetauscht. Aliomeroviæ informierte uns über die alarmierend schwere Lage der Bosniaken im Kosovo. Neben den Roma und Serben werden auch Bosniaken vom Kosovo vertrieben. Viele von ihnen gehen in den Sandschak oder nach Bosnien. Fadila Memisevic reiste am 23.10. 1999 nach Bihaæ, um eine Konferenz über die Verbrechen in der Bosnischen Krajina vorzubereiten. Dieses Treffen wurde vom „Institut für Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und der GfbV - International initiiert. Auf diesem Treffen wurde entschieden, daß die GfbV - International Experten aus verschiedenen Ländern einlädt, die mit Referaten über dieses Thema am Kongreß teilnehmen würden. Am 26.10.1999 besuchte Fadila die Roma-Siedlung Varda in Kakanj. Die Roma aus dieser Siedlung leben in einem einzigartigen Ghetto. Die 600 Mitglieder dieser Roma-Gemeinde leben in Kakanj in Hausruinen. 250 der Kinder gehen nicht zur Schule. Die Bosnisch-herzegowinische Sektion sandte ein Appell an die SFOR, bzw. die private Initiative der deutschen Truppen „Lachen - Helfen", diesen Roma zu helfen, was sie auch taten. Der Kommandant dieser Truppen und Mitglied der Organisation „Lachen - Helfen", Reiner Nosseck, reiste persönlich in diese Siedlung und lieferte einen Wagenschlepper mit Kleidung , Schuhen, Nahrungsmitteln wie auch Heizmaterial aus. Am 27.10.1999 wurde das Sarajevoer Büro von Vertretern der IFIAS aus Deutschland besucht.
November 1999
Am 2. November nahm Fadila an einer Pressekonferenz teil, die von der SFOR anläßlich des Bosnien - Besuches von Karla del Ponte organisiert wurde. In den Räumen der Vertretung des Tribunals in Sarajevo wurde ein kurzes Treffen mit Karla del Ponte veranstaltet. 08.11.1999 - Aktion für Roma aus @ivinice . 11.11.1999 - Muharem Serbezovski, ein bekannter Roma-Sänger, der auch das Buch „Zigeuner und Menschenrechte" geschrieben hat, besuchte unser Büro. Das Buch wird in Sarajevo gedruckt und erscheint in sieben Sprachen. Die Rezension für dieses Buch wurde von Sr|an Dizdareviæ - Helsinki-Komitee Bosniens und Herzegowinas, Senka Nožica - Alternatives Rechtsministerium und Fadila Memiševiæ - Bosnisch-herzegowinische Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker geschrieben. Am 13. November wurden Demonstrationen für Tschetschenien, an denen auch die Bosnisch-herzegowinische Sektion der GfbV teilnahm, organisiert. Die Demonstrationen waren unter dem Motto: „Beendet den Krieg in Tschetschenien". Vor den Demonstrationen wurden Unterschriften gesammelt, und es wurde eine Petition seitens der Bürger Sarajevos geschrieben. 11.000 Unterschriften konnten gesammelt werden - so viele Menschen sind auch während der Belagerungszeit von Sarajevo umgekommen. Die Petition wurde an den russischen Botschafter in Sarajevo übergeben, welcher sie jedoch nicht annehmen wollte. Am 16. November wurde das Büro von einer Frauengruppe aus Norwegen, die bei dem Komitee „Hilfe für Bosnien" mitwirken, besucht. Am 18. November kam die deutsche Journalistin Ulrike Baur in das Büro der Bosnisch-herzegowinischen Sektion. Sie bereitet einen Film für ZDF anläßlich des fünften Jahrestags seit dem Fall von Srebrenica vor. Am 23.11.1999 nahm Fadila an einer Konferenz für Minderheiten, welche vom Stabilitätspakt in Sarajevo organisiert wurde, teil. Sie erstattete Bericht über die Situation der Roma in Bosnien und Herzegowina und im Kosovo. Am 26.11.1999 nahm die Bosnisch-herzegowinische Sektion an der GfbV- Jahresversammlung in Wien teil. Am 30.11.1999 gab die Bosnisch-herzegowinische Sektion anläßlich der Absetzung von 22 bosnisch-herzegowinischen Funktionären seitens des Hohen Repräsentanten eine Presseerklärung heraus, in der sie diese energische Tat des Hohen Repräsentanten begrüßte.
Dezember 1999
Anläßlich des Tages der Menschenrechte am 10. Dezember organisierte die Bosnisch-herzegowinische Sektion zusammen mit der Bewegung "Mütter aus den Enklaven Srebrenica und @epa" einen schweigenden Protest unter dem Motto "Vergißt nicht die Vermißten". Für diese Gelegenheit wurden Postkarten mit gleichnamigem Text gedruckt. Die Bosnisch-herzegowinische Sektion reagierte sofort anläßlich der Veröffentlichung des UN-Berichtes über den Fall von Srebrenica und sandte einen Protest an die Medien. Im Bericht erscheint ein Geständnis über die allgemeine Schuld und die moralische Verantwortlichkeit, die Hauptverantwortlichen werden jedoch nicht genannt. An den UN-Sicherheitsrat wurde ein Appell gesandt, bei der Anerkennung dieses Berichtes am 15.12.1999 auch die Hauptverantwortlichen für die Tragödie von Srebrenica zu benennen, wie: Boutros Boutros Ghali, Yasushi Akashi, Bernard Janvier, Philippe Morillon, Thomas Karemans. Bei dieser Gelegenheit wurde Fadila auch von Associated Press interviewt. Protest wegen des Propagierens von Hitlers Buch "Mein Kampf", welches in den Buchhandlungen Sarajevos zum Verkauf angeboten wurde. Im Protest wurde betont, daß das Werben von Hitlers Ideologie, in deren Namen über 50 Millionen Menschen Schaden erlitten, in einem Land, in dem vor nur vier Jahren im Namen derselben Ideologie über 200.000 Menschen getötet worden sind, gleichbedeutend mit selbst Verbrechen begehen ist. Am 15. Dezember wurde ein Vorbereitungstreffen mit dem Direktor des DNA-Teams für Identifizierung - Edwin F. Huffine, abgehalten. Es wurde eine weitere Zusammenarbeit vereinbart, die durch Vertreter des Anthropologie-Instituts in Göttingen erweitert werden wird. Das nächste Treffen wurde für Januar 2000 festgesetzt. Engagement für einige Einzelfälle bezüglich der Rückerstattung des Eigentums in der Republika Srpska. Zusammenarbeit mit der Kommission für Rückerstattung des Eigentums.
Januar 2000
In diesem Monat waren wir vor allem mit der Planung und Ausführung der Konferenz über "Exhumation und Identifikation der Männer aus Srebrenica beschäftigt". Die Konferenz fand am 21.Januar mit folgenden Teilnehmern statt: Edwin F. Huffine und Kathryne Bomberger vom ICMP, Prof. Dr. Bernd Herrmann vom Anthropologischen Institut aus Göttingen, Mehmet Dogan, der Menschenrechtsbeauftragte der Islmaischen Gemeinde Milli Görüs aus Köln, Amor Masovic, der Vorsitzende der Staatlichen Kommission für das Suchen nach Vermißten, Eva Klonowska, Anthropologin und Fadila Memisevic, Leiterin der Gesellschaft für bedrohte Völker - Bosnien und Herzegowina. Der Zweck dieser Konferenz war, eine Verbindung zwischen ICMP und dem Institut für Anthropologie und Humanökologie, die sich ebenfalls mit Identifikationen beschäftigen und großes Ansehen in der Welt haben, herzustellen und sie zu einer Zusammenarbeit beim Prozeß der Identifikation der exhumierten Männer aus Srebrenica zu bewegen. Desweiteren war auf dieser Konferenz auch Mehmet Dogan, Vertreter der Islamischen Gemeinde Milli Görüs aus Köln, die sich bereit erklärt hatte, 1 Million DM für das Projekt der Identifikation der exhumierten Männer aus Srebrenica zu spenden. Die Bosnische Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker hatte bei diesem Projekt eine Vermittlungsfunktion. Die Konferenz wurde zur Zufriedenheit aller abgeschlossen. Eine Zusammenarbeit zwischen ICMP und dem Institut für Anthropologie und Humanökologie konnte vereinbart werden. Nach der Konferenz reisten alle Teilnehmer zusammen nach Visoko, wo sich ein Kommemorativzentrum befindet, in dem 2.600 exhumierte Überreste der Männer aus Srebrenica gelagert werden. Herr Mehmet Dogan blieb in Sarajevo bis zum 25.01. Neben der Thematik der Konferenz war er auch besonders für die Lebensumstände der Frauen aus Srebrenica interessiert. Wir besuchten mehrere Frauen in ihren "Flüchtlingshäusern" (serbischen Eigentums) in Vogosca, wobei er sich auch persönlich von ihrem großen Leid überzeugen konnte. Wir besuchten auch andere bosnische wie auch türkische Organisationen in Sarajevo, unter ihnen den "Kongreßrat der bosniakischen Intellektuellen", "Junge Muslime", das Staatliche Krankenhaus "Kosevo" mit der Kinderklinik, der er auch eine Spende von 10.000 DM überreichte, und die "Anadolien-Foundation". Herr Dogan zeigte sich sehr zufrieden mit unserer Wahl der Aktivitäten während seines Besuches. Am 11.01. wurde unser Büro von Harvey M. Weinstein, einem Vertreter des "Human Rights Center" in den USA besucht. Dabei tauschte man Erfahrungen aus und sprach über eine Zusammenarbeit. Am 14.01. nahm Fadila an einer Konferenz über Minderheiten in Sarajevo teil, wobei sie auf die sehr schlechten Lebensbedingungen der Roma-Minderheit in Bosnien und Herzegowina hinwies.
PRESSEERKLÄRUNGEN
13.07.1997 Am zweiten Jahrestag des Massakers in Srebrenica wurde Terror seitens SFOR an den trauernden Frauen begangen
21.08.1997 Ein Rat für die Gesellschaft für bedrohte Völker - Bosnien und Herzegowina wurde konstituiert
27.08.1997 Die britische Regierung sollte das Tribunal in Den Haag politisch und finanziell unterstützen, anstatt seine Bedeutung zu minimisieren
12.09.1997 Union Roma wurde gegründet - ein Schritt zur Reintegration Bosniens und Herzegowinas
18.09.1997 Der berüchtigte Kriegsverbrecher Velibor Ostojic, der von Simon Wiesenthal als Goebbels der bosnischen Serben bezeichnet wurde, wurde seitens der Abgeordneten im Parlament Bosniens und Herzegowinas zum „Beschützer" von Menschenrechten in Bosnien und Herzegowina ernannt
10.10.1997 Am Samstag, den 11. Oktober, wird die GfbV zusammen mit den Müttern aus Srebrenica und Podrinje schweigende Demonstrationen unter der Bezeichnung „Wir wollen die Wahrheit" organisieren
13.10.1997 Solange sich die terroristischen Akte fortsetzen, droht Bosnien zum Bandustan zu werden
15.10.1997 Offener Brief an Minister Rizvanbegovic
23.10.1997 Eine Stimme gegen das Versagen Europas
10.11.1997 Demonstrationen der Mütter aus Srebrenica und dem Podrinje für eine Freilassung der drei Männer aus Srebrenica
10.12.1997 Herr Frowick, Westendorp und Kauzlarich, befreien Sie endlich die drei Männer aus Srebrenica; Wir haben Recht auf eine Antwort - Demonstrationen der Mütter aus Srebrenica und dem Podrinje
19.12.1997 Appell an Präsident Clinton
22.12.1997 Appell an den deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl
31.12.1997 GfbV für Bosnien und Herzegowina summiert die Lage der Menschenrechte in einem Bericht am Ende des Jahres 1997 - „Die 10 verletzten Gebote"
18.01.1998 Bob Dole ist die einzige und letzte Hoffnung, um die Wahrheit über die Vermißten zu erfahren
30.01.1998 Offener Brief an Carlos Westendorp
13.02.1998 Der Mörder Turajlic´s war und ist ein ehrenvoller Soldat der Republika Srpska - sagte Boro Bosic
21.03.1998 Wir fordern die sofortige Freilassung von Mirsad Hasanovic
21.04.1998 Statt einer Beileidsbekundung und Reue der Verbrechen, die im Namen des serbischen Volkes begangen wurden,wegen, fordert der Metropolit Nikolaj eine Amnesie für die Verbrecher
25.04.1998 Beschämende Haltung der internationalen Kräfte zu den Inzidenten in Derventa und Drvar
24.06.1998 Anstatt daß sie verhaftet und nach Den Haag geschickt werden, bekommen die Massenmörder Karadzic und Mladic einen sowjetischen Orden
08.07.1998 Srebrenica ´95 - Kosovo ´98
06.08.1998 Den westlichen Mächten fehlt die Courage, sich mit den Hauptkriegsverbrechern zu konfrontieren
11.08.1998 Wir fordern, daß noch vor dem Beginn des Fußballspieles - FC Bayern mit FC Obilic von Arkan - drei Schweigeminuten in Erinnerung an Tausende von Opfern, die Arkan getötet hat, angekündigt werden
13.08.1998 Wenn Bosnien nicht wiederholt werden soll, muß Europa sofort im Kosovo handeln
17.08.1998 Dringender Appell an die überlebenden Bewohner Srebrenicas
31.08.1998 Die GfbV für Bosnien und Herzegowina appelliert an den den deutschen Außenminister, Klaus Kinkel, endlich Druck auf Dodik auszuüben, den er selbst als Liberalen und Demokraten hoch gelobt hat, damit dieser eine Rückkehr des nichtserbischen Volkes in die Republika Srpska erlaubt
26.09.1998 Der Herzog der Cetniks - Nikola Poplasen - ein neuer Partner der Internationalen Gemeinschaft
06.11.1998 Appell an den Vorsitzenden der Regierung Bosniens und Herzegowinas, Herrn Zivko Radisic, die drei gefangenen Männer aus Srebrenica aus dem Gefängnis in Bijeljina zu befreien
25.12.1998 Die GfbV für Bosnien und Herzegowina summiert die Situation der Menschenrechte am Ende des Jahres 1998
28.11.1998 Anstatt sich für die Errichtung eines großen Denkmals für die über 200.000 Opfer des serbischen Angriffskrieges, streitet der Vorsitzende der Regierung Bosniens und Herzegowinas, Herr Zivko Radisic, es ab, daß überhaupt ein Genozid an den Bosniern verübt wurde
07.01.1999 Die Gesellschaft für bedrohte Völker für Bosnien und Herzegowina appelliert an den Supervisor für Brcko , Herrn Farrand: Verbieten Sie das Abhalten der Heiligen Lithurgie in Brcko
04.02.1999 Die Politik der Apartheid in der Republika Srpska beenden
26.02.1999 Unzulässiger Angriff auf einen Vertreter der Koalition für ein einheitliches und demokratisches Bosnien und Herzegowina (KCDBiH); Wir fordern ein Ermittlungsverfahren
06.03.1999 Brcko den Leuten aus Brcko - endlich ein gerechter Zug der Internationalen Gemeinschaft
26.03.1999 „Suche nach Gerechtigkeit" war Thema des Runden Tisches, der am 26. März abgehalten wurde
30.03.1999 Appell für die Beschleunigung der Identifikation der 1.200 Überreste der Männer aus Srebrenica, die sich im Leichenschauhaus in Tuzla befinden
02.04.1999 Appell an die Mitgliedsstaaten der Kontaktgruppe und der NATO, den Völkermord im Kosovo und den Exodus der Bosniaken aus dem Sandschak zu stoppen
14.04.1999 Protest anläßlich des Freispruchs von Goran Vasic, dem Mörder des Herrn Turajlic
19.04.1999 Bosnisches Szenario im Kosovo
23.04.1999 Milosevic muß anstatt an den Verhandlungstisch nach Den Haag gebracht werden
27.05.1999 Verbrechen im Kosovo - Dokumentation der Gesellschaft für bedrohte Völker
18.06.1999 Die Gesellschaft für bedrohte Völker überreichte eine Liste mit 65 Massengräbern dem Tribunal in Den Haag und den Internationalen Friedenstruppen - KFOR
01.07.1999 Angriff auf Kosovo - Roma; Gesellschaft für bedrohte Völker richtet ein Appell an die KFOR-Truppen: Schützt die Minderheiten
07.07.1999 Gratulation an SFOR-Soldaten für die Aktion der Verhaftung des Kriegsverbrechers Radoslav Brdjanin
12.08.1999 12. August 1999: 50 Jahre der Genfer Konvention
26.08.1999 Verhaftung von Momir Talic - Zufriedenstellung der Gerechtigkeit
28.09.1999 Appell an die Internationale Gemeinschaft: Anstatt die SFOR-Truppen zu reduzieren, sollte man ihnen das Mandat erteilen, nach dem Beispiel Kosovos vorzugehen
01.10.1999 1. Oktober - Tag des Flüchtlings
08.10.1999 Offener Brief an den Hohen Vertreter Wolfgang Petritsch: Nutzen Sie endlich Ihre Befugnisse
11.10.1999 Zivko Radisic, Mitglied des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina, hat sich in Belgrad mit Slobodan Milosevic, der für Kriegsverbrechen angeklagt wurde, getroffen
26.10.1999 Verhaftung des Kriegsverbrechers Damir Dosen - Erleichterung für die Opfer
27.10.1999 Die private Initiative der SFOR-Soldaten „Lachen Helfen" hilft den Roma Bosniens und Herzegowinas
02.11.1999 Appell an Karla del Ponte: Setzen Sie sich dafür ein, daß Karadzic und Mladic endlich verhaftet werden, damit der Gerechtigkeit genüge getan wird und ein wahrer Frieden in Bosnien und Herzegowina hergestellt werden kann
12.11.1999 Beendet den Krieg in Tschetschenien - ist das Motto der schweigenden Demonstrationen, die am 13. November 1999 in Sarajevo abgehalten werden
17.11.1999 Durch das Geständnis der eigenen Schuld für die Tragödie in Srebrenica haben die UN den Opfern Erleichterung geboten, jedoch nicht auch die Gerechtigkeit zufriedengestellt Wir fordern konkrete Verantwortung von Boutros Boutros- Ghali, Yasushi Akashi, Phillipe Morillon, Bernard Janvier, Tom Karemanns
30.11.1999 Gratulation an Wolfgang Petritsch und Robert Berry: Mit der Absetzung der 22 Funktionäre wurde die Möglichkeit der Wiederherstellung der Demokratie und der Versöhnung in Bosnien und Herzegowina eröffnet 08.12.1999 Protest gegen den Verkauf von Hitlers Buch "Mein Kampf"
10.12.1999 Den Tag der Menschenrechte - 10. Dezember - kennzeichnend, setzt sich die GfbV - Bosnien und Herzegowina für eine Zukunft ohne Genozid und Massenvertreibung ein
21.12.1999 Die Verhaftung des General Stanislav Galic stellt für Tausende der Opfer von Kriegsverbrechen Hoffnung dar, daß die Gerechtigkeit auf jeden Fall zufriedengestellt wird
23.12.1999 Vorschlag des Gesetzes von Schadensersatz für Verleumdung und Beleidigung - inakzeptabel
30.12.1999 Gesellschaft für bedrohte Völker - Bosnien und Herzegowina summiert die Lage der Menschenrechte in einem Bericht am Ende des Jahres 1999
05.01.2000 Der Sieg der Opposition bedeutet eine Beendigung des systematischen Bemühens der Partei HDZ, den Staat Bosnien und Herzegowina politisch zu spalten
13.01.2000 Protest wegen der Ermordung einer bosniakischen Familie im Kosovo Die Gesellschaft für bedrohte Völker - Bosnien und Herzegowina appelliert an die KFOR-Truppen: Nimmt die Minderheiten im Kosovo in Schutz
17.01.2000 Das Haager Urteil für das Massaker in Ahmici ist für die Verbrecher eine Strafe und für die Opfer eine Erleichterung
03.02.2000 Unterstützung der Initiative von Dr. Haris Silajdzic - die Revision des Dayton-Abkommens
04.02.2000 Protest wegen der Koalitionsgründung der österreichi- schen Volkspartei mit der Ultrarechts - Partei von Jörg Heider
19.02.2000 Scharfer Protest gerichtet an Vertreter der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina wegen des Heraushebens von Karadzics Bildern in Amtsräumen für die Herausgabe von Wertpapieren
23.02.2000 Protest der Gesellschaft für bedrohte Völker - Bosnien und Herzegowina wegen des dritten Völkermords an den Tschetschenen Wir verlangen von den Regierungen der westlichen Länder, wirtschaftliche Sanktionen gegen Rußland einzuführen
MEDIENGESPRÄCHE
1997
10.07. Radio Studio 99 (tel.) Fadila
13.07. Hessischer Rundfunk (tel.) Tilman & Fadila
14.07. Radio Multikulti Freies B